Vorurteile und Ängste abbauen

Wölfershäuser Kampfsportler lehrten Selbstverteidigung zugunsten von Flüchtlingskindern

Zeigten, wie es geht: Trainer Ralf Marschner (3. v. links) unterrichtete gemeinsam mit Michael Görisch (rechts) verschiedenste Selbstverteidigungstechniken. Fotos: Wagner

Heringen. Vorurteilen und Berührungsängsten gegenüber fremden Kulturen begegnet man am besten mit gezielter Annäherung und Kontaktaufnahme. Dass dieses Vorgehen funktioniert und zu einem positiven Ergebnis führt, bewiesen am vergangenen Samstagnachmittag die Veranstalter, Teilnehmer und Zuschauer eines Spendenlehrgangs zum Thema Selbstverteidigung in Heringen.

Die Kali Fighting Group, eine Kampf-Sportgruppe des TSV Wölfershausen, unterrichtete verschiedenste Selbstschutztechniken und förderte nebenbei die Verständigung und Annäherung zwischen der lokalen Bevölkerung und Flüchtlingen.

Beim Betreten der Sporthalle der Werratalschule fällt sofort die angenehme und tolerante Atmosphäre auf. Vergnügte Kinder lachen und rennen durch die Halle. Sie essen Kuchen und Plätzchen, bestaunen selbstgebastelte Tonfiguren und Armbänder und freuen sich darüber, im Mittelpunkt zu stehen. Ihre Angehörigen, hauptsächlich Flüchtlingsfamilien, die erst seit Kurzem in Heringen wohnen, freuen sich mit ihnen und beobachten gemeinsam mit Besuchern aus der Stadt und der näheren Umgebung das Training in der Sporthalle.

Spendenlehrgang der Kali-Fighting-Group zugunsten von Flüchtlingskindern

„Es nehmen rund zwanzig Teilnehmer am Lehrgang teil“, berichtet Ralf Marschner, Trainer und Ansprechpartner innerhalb der Kali Fighting Group. „Seit sechs Monaten haben wir die Veranstaltung geplant.“ Britta Apel, die neben Ton- und Holzfiguren auch Armbänder hergestellt hat und für den guten Zweck verkauft, berichtet von Teilnehmern aus Kassel und Frankfurt. Wie Ralf Marschner engagiert sie sich bereits seit längerer Zeit für die Flüchtlingshilfe. Im Rahmen der Initiative Neuankömmlinge arbeitet sie in der Kleiderkammer Wölfershausen, die neben geflüchteten Menschen auch Empfänger von Arbeitslosengeld II mit Kleidung und anderen nützlichen Gegenständen versorgt. „Wir brauchen momentan verstärkt Fahrräder, Kindersitze und Kinderwagen“, erzählt sie. „Die Kleiderkammer in der Herfaer Straße 3 ist immer montags von 10 bis 12 Uhr und donnerstags von 15 bis 17 Uhr geöffnet.“

Drei Trainingseinheiten 

Der Lehrgang unterteilt sich in drei Einheiten, die von Ralf Marschner und Michael Görisch geleitet werden. Neben Abwehrtechniken gegen Messerangriffe erlernen die Teilnehmer verschiedenste Hebeltechniken. „In unserem Verein versuchen wir, so realistisch wie möglich zu trainieren“, erläutert Ralf Marschner. „Dazu gehört auch das Training im Freien und auf Betonplatten.“

Der Erlös des Nachmittags, der sich aus freiwilligen und aus Unternehmensspenden für Kaffee und Kuchen und den Anmeldebeitrag der Lehrgangsteilnehmer zusammensetzt, kommt zu einhundert Prozent den Flüchtlingskindern zugute.

Von Nicole Wagner

Kommentare