Im Porträt: Reinhard Heß ist Prädikant und Schiedsrichter-Obmann

Prediger und Beobachter

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Fußball und Kirche: Rainer Heß im Talar mit gelber und roter Karte.

Heringen. Vormittags im Talar in der Kirche, nachmittags im Schiedsrichter-Outfit auf dem Fußballplatz: Sonntags kommt es schon einmal vor, Rainer Heß in beiden Situationen zu begegnen.

Der 50 Jahre alte Wahl-Heringer übt gleich zwei Ehrenämter aus – er ist Prädikant der evangelischen Kirche und Obmann der Schiedsrichter-Vereinigung des Kreises Hersfeld-Rotenburg.

Sowohl der Glaube und die Kirche als auch das runde Leder sind ihm bereits seit Kindertagen wichtig. Seine Mutter habe auf regelmäßige Gottesdienstbesuche Wert gelegt, sagt er, und der Fußball sei einfach die schönste Nebensache der Welt. Weil er schon früh eine Niere verlor, habe er jedoch selbst nie spielen dürfen. Aus diesem Grund sei er in der Jugend auf das Schiedsrichterwesen gekommen.

Seit 35 Jahren steht Heß inzwischen auf dem Platz, assistierte bis in die Hessenliga. Aktuell bleibt für eigene Einsätze allerdings nicht viel Gelegenheit, denn das Amt des Kreisschiedsrichterobmanns, das er neben seiner Tätigkeit als Schiedsrichter-Beobachter zu Beginn dieser Amtsperiode übernommen hat, fordert einige Zeit. Dafür sorgen, dass auf jedem Fußballplatz Unparteiische anwesend sind, als Ansprechpartner bei Fragen und Problemen zur Verfügung stehen, Sitzungen im Ausschuss, mit Vereinsvertretern oder auf überregionaler Ebene besuchen – langweilig, so versichert er und lacht, werde es in diesem Ehrenamt nie.

Dass er es trotzdem nicht missen will, steht für den 50-Jährigen außer Frage. „Ich bin schon immer irgendwie ein Vereinsmeier gewesen, bin im Roten Kreuz und war früher bei der Feuerwehr“, berichtet er.

Als Lehrwart für den Fußballkreis Hünfeld habe er sein erstes Ehrenamt mit 21 Jahren übernommen. „Da musste ich dann auch viel vorne stehen und Vorträge halten und das hat mir wirklich Spaß gemacht. Ich habe gemerkt: Das ist so mein Ding – und das ist es auch bis heute geblieben.“

Zu den Menschen sprechen

Vorne stehen und zu Menschen sprechen: Genau das tut er auch als Prädikant. Seit Juli füllt er das höchste Ehrenamt der evangelischen Kirche aus, darf in Abstimmung mit dem örtlichen Pfarrer den Gottesdienst ausgestalten, das Abendmahl halten, taufen, beerdigen und trauen.

Knapp 15 Jahre lang sei er nun in der Kirche aktiv und schon lange sei der Prädikantendienst ein Wunsch gewesen, verrät er. Etwa parallel zu seiner Berufung in den Heringer Kirchenvorstand vor zwei Jahren habe er schließlich beschlossen, die gut ein Jahr dauernde Ausbildung anzugehen.

Beide Ehrenämter seien gar nicht so unterschiedlich wie man im ersten Moment vielleicht glaubt, meint Heß. Setze man sich mit biblischen Texten auseinander, profitiere man selbst sehr viel davon und genau das sei eine Parallele zur Schiedsrichtertätigkeit. Auch die könne vor allem bei jungen Menschen die eigene Persönlichkeitsentwicklung positiv beeinflussen. Eine Verknüpfung von beidem hat er auch direkt in seinem Einführungsgottesdienst vor wenigen Wochen hergestellt. „Ist Fußball wie das Leben?“ war das Thema – die Antwort lautete ganz klar „ja“. (kma)

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