Neue Glocken in der Widdershäuser Kirche montiert

Kurz vor dem Ziel: Kai Schwarz (links) und Yannick Widmaier hängen das Joch der Bronzeglocke „Liebe“ in seine Verankerung im Widdershäuser Kirchturm ein. Foto: Eisenberg

Widdershausen. Kai Schwarz und Yannick Widmaier sind zwar Zimmerleute, wissen aber auch mit schweren und unhandlichen Metallteilen umzugehen.

Die beiden Mitarbeiter der Karlsruher Gießerei Bachert haben am Montag im Turm der evangelisch-reformierten Kirche in Widdershausen mit der Montage der drei neuen Bronzeglocken begonnen. Mit einem Kran waren zuvor die alten, schadhaften Stahlgussglocken aus dem Turm gehoben und die neuen Exemplare nach oben gezogen worden.

Im Turminnern geht es mit Hilfe von zwei Kettenzügen weiter, die die Zimmerleute ins Gebälk der Dachkonstruktion einhängen. Dabei ist Millimeterarbeit gefragt. Im engen Glockenstuhl geht es teilweise nur wenige Meter voran, bevor die Glocke abgesetzt und die Züge umgehängt werden müssen. Behände klettern die Zimmerleute zwischen den Balken hindurch und hängen die Befestigungsschlaufen ein.

Gezielte Hammerschläge

Bevor die Glocken ihren Bestimmungsort erreichen, passen Schwarz und Widmaier noch das aus französischer Eiche gefertigte Joch an und hängen das Antriebsrad für den Läutmechanismus ein. Einige gezielte Hammerschläge sind nötig, bis die Lager in ihre Verankerung im Glockenstuhl rutschen - und „Glaube“, die größte der drei Glocken, hängt als erste an ihrem Platz. Um den Klöppel zu montieren muss Kai Schwarz ins Innere kriechen.

Im Laufe des Dienstags haben die Männer alle Glocken samt Antrieben neben dem vorhandenen Exemplar aus dem Jahr 1616 montiert. Das neue Geläut wird dieser Tage auch schon probehalber zu hören sein. Noch fehlen aber die Abnahme und eine Läutordnung“, erläutert Pfarrer Wilfried Marnach. Für die Dietrich-Bonhoeffer-Kirchengemeinde ist mit der Montage ein Mammutprojekt gemeistert. 45 000 Euro Spenden hatten die Widdershäuser gesammelt und den Guss in Karlsruhe miterlebt. Wilfried Marnach freut sich über die hohe Identifikation der Einwohner mit dem Projekt - häufig sei von „unseren“ Glocken die rede gewesen.

Die beiden ausgedienten Stahlglocken landen übrigens nicht aus dem Schrott. Sie werden in einem örtlichen Malerbetrieb aufgearbeitet und sollen anschließend auf dem Kirchengelände ausgestellt werden.

Montage der neuen Glocken im Widdershäuser Kirchturm

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