Genehmigte Versenkmenge zu zwei Dritteln aufgebraucht

K+S: Kurzarbeit auch in Wintershall bei Heringen möglich

Philippsthal/Heringen. Im Kaliwerk Werra stehen die Zeichen weiterhin auf Kurzarbeit. Grund sind die eingeschränkten Entsorgungsmöglichkeiten für salzhaltige Produktionsabwässer.

Seit Jahresbeginn war der Standort Hattorf insgesamt 67 Tage außer Betrieb, der Standort im thüringischen Unterbreizbach 52 Tage. Ab Ende August könnte es auch im bislang nicht betroffenen Standort Wintershall in Heringen, der unter anderem Spezialsalze für die Pharmaindustrie herstellt, zu Produktionsstopps kommen. Das berichteten die Werksleiter Christoph Wehner, Roland Keidel und Kurt Lindhof im Gespräch mit unserer Zeitung. Die derzeit auf 725.000 Kubikmeter reglementierte Versenkmenge ist zu zwei Dritteln ausgereizt. Ist das Kontingent erschöpft, ist K+S ausschließlich auf die schwankende Wasserführung der Werra angewiesen.

Derzeit prüft K+S bislang unwirtschaftliche Varianten wie das Zwischenlagern von Lauge in Gaskavernen oder Bergwerken. Dadurch könnte nach Ansicht von Christoph Wehner die Zeit bis zum Jahr 2018 überbrückt werden. Dann geht am Standort Hattorf eine Aufbereitungsanlage in Betrieb, die die Abwassermenge um weitere 1,5 Millionen Kubikmeter pro Jahr verringern soll.

Durch die Stillstände hat K+S zum Ende des zweiten Quartals eine Minderproduktion von 400.000 Tonnen verzeichnet. Die Einkünfte der von Kurzarbeit betroffenen Mitarbeiter wurden anfangs auf 90, aktuell auf 85 Prozent aufgestockt. Möglich wird das, weil die Mitarbeiter inklusive des Vorstands auf fünf Prozent ihrer Jahresleistung verzichten.

Dennoch hält K+S bislang an den Standorten an Werra und Ulster fest. Pläne für Personalabbau gebe es laut K+S nicht. Wegen der großen Verunsicherung werde es aber laut Personalleiterin Doris Gärtner zunehmend schwieriger, Stellen und Ausbildungsplätze zu besetzten.

Hintergrund: Zwei Wege zur Entsorgung

Für die Entsorgung der Abwässer stehen K+S aktuell zwei Entsorgungswege zur Verfügung: Die Versenkung in tiefer liegende Gesteinsschichten und die Einleitung in die Werra. Die Versenkung hat das Regierungspräsidium bis zum Jahresende auf 725.000 Kubikmeter begrenzt. 

Über eine Verlängerung bis 2021 hat das Regierungspräsidium Kassel noch nicht entschieden, die Prüfung des 3-D-Modells, das die Folgen der Versenkung simulieren soll, steht aus. In die Werra werden neben den Produktionsabwässern auch die kontinuierlich anfallenden Haldenwässer eingeleitet. Der Grenzwert am Pegel Gerstungen beträgt 2500 Milligramm Chlorid pro Liter Wasser.

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