Interview: "Es steht und fällt mit K+S"

Heringens Bürgermeister Daniel Iliev zieht nach 100 Tagen im Amt Bilanz

Hält seit 100 Tagen im Heringer Rathaus die Räder am Laufen: In den ersten Monaten im Amt war Heringens Bürgermeister Daniel Iliev gleich mit der Krise bei K+S und den damit verbundenen Einnahmeausfällen für die Stadt konfrontiert. Unser Foto zeigt ihn an der Seilscheibe eines Förderturms vor dem Kalimuseum am Anger. Foto: Eisenberg

Heringen. Genau 100 Tagen liegt am morgigen Sonntag der Amtsantritt von Heringens neuem Bürgermeister Daniel Iliev zurück. Wir sprachen mit dem 32-Jährigen über seine ersten drei Monate als Rathauschef und anstehende Herausforderungen.

Haben Sie Ihre Kandidatur während der ersten 100 Tage eigentlich schon mal bereut?

Daniel Iliev: Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergangen ist. Es kommt mir immer noch vor, als wären die Wahl und der Amtsantritt erst gestern gewesen. Die Entscheidung war völlig richtig. Ich bereue es kein Stück.

Hat Ihnen Ihr Vorgänger viele „Überraschungen“ hinterlassen?

Iliev: (lacht) Ich sage es mal so: In meiner restlichen Amtsperiode wird mir auf jeden Fall nicht langweilig.

Ein leichtes Erbe treten Sie allein durch die Straßen- und Kanalbauprojekte Biegenrain in Herfa und Wölfershäuser Straße nicht an. Wie ist der Sachstand? 

Iliev: Diese Projekte beschäftigen uns derzeit am meisten. Zunächst mal: Hut ab vor dem, was die Mitarbeiter der Verwaltung leisten. Wir sind ein gutes Stück vorangekommen. Am Biegenrain gilt es jetzt, die wirtschaftlichste Lösung für die Stadt und die Anlieger zu finden. 76 Euro Beitrag pro Quadratmeter sind niemandem zuzumuten. Im schlimmsten Fall würde die Stadt dann auf den kompletten Kosten sitzen bleiben. Ich bin optimistisch, dass wir das vermeiden können. In der Wölfershäuser Straße haben wir die Gespräche mit K+S wieder aufgenommen. Das Unternehmen hat immer betont, für die verursachten Schäden zu 100 Prozent geradezustehen zu wollen. Bei der Einleitgenehmigung geht es nur noch um Kleinigkeiten. Über das Finanzielle müssen wir uns mit K+S einigen. Ich bin der festen Überzeugung, dass diese Partnerschaft gedeihlich sein wird.

Kurz nach Ihrem Start musste eine Haushaltssperre verhängt werden. Blieb Ihnen da überhaupt Spielraum, um dem Amt Ihren Stempel aufzudrücken?

Iliev: Den Stempel habe ich insofern aufgedrückt, dass den Menschen klar geworden ist, dass das Geld nur noch in begrenztem Maße zur Verfügung steht. Das hängt natürlich mit der jetzigen Situation bei K+S zusammen. Wir hätten das sicherlich auffangen können, wenn entsprechende Rücklagen gebildet worden wären. Das ändert jetzt aber an der Sache nichts. Erstmal müssen wir dafür kämpfen, dass K+S bald wieder auf festen Beinen steht. Wir haben mit der Konsolidierung begonnen. Im Nachtragshaushalt werden ungefähr 160 000 Euro eingespart. Das tut weh und ich kann nur auf Verständnis der Bürger hoffen.

Sie sind im Parlament auf mehrere Fraktionen angewiesen. Haben Sie keine Angst, zwischen die Fronten zu geraten?

Iliev: In der jetzigen Situation muss das Wohl der Kommune im Vordergrund stehen. Das gelingt mir nicht, wenn ich die Parlamentarier vor vollendete Tatsachen stelle. Und das gelingt den Parlamentariern nicht, wenn sie nur auf Blockade aus sind. Deshalb ist der ständige Informationsfluss wichtig, sodass wir mehrheitlich gemeinsame Entscheidungen treffen können. Parteipolitische Spielchen wären fehl am Platz.

Bislang hatte es aber oft den Anschein, dass SPD, GfH und CDU vor allem durch den gemeinsamen Feind Hans Ries zusammengehalten wurden.

Iliev: Das kann ich schlecht beurteilen, weil ich nicht direkt involviert war. Wenn ich irgendwann zum Feindbild werden sollte, wäre ich selbst daran schuld.

Apropos Hans Ries: Wie gestaltet sich eigentlich die Zusammenarbeit mit Ihrem Vorgänger im Magistrat?

Iliev: Ich möchte das nicht an einzelnen Personen festmachen – das wäre den Betroffenen gegenüber respektlos. Grundsätzlich haben wir im Magistrat ein kollegiales Verhältnis und kommen gut miteinander aus. Jeder bringt sich mit eigenen Ideen ein. Natürlich gibt es manchmal auch größeren Diskussionsbedarf – aber das gehört nunmal dazu.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für die Stadt?

Iliev: Kurzfristig ist es die Zukunft von K+S. Damit stehen und fallen auch Haushaltssanierung und Schuldenabbau. Wir haben gegen die Neuordnung des Kommunalen Finanzausgleichs geklagt, weil wir trotz gesunkener Einnahmen weiterhin abundant sein werden. Wir müssen die noch anstehenden Baumaßnahmen über die Bühne bringen. Essentiell wird sein, die Stadt mit begrenzten finanziellen Mitteln als attraktives Mittelzentrum weiterzuentwickeln. Das betrifft Innenstadtentwicklung, Einkaufsmöglichkeiten, neues Gewerbe, Industrieflächen und interkommunale Zusammenarbeit.

Man munkelt, dass der Bürgermeister-Posten für Sie nur Karrieresprungbrett sei. Wie lange wollen Sie Rathauschef bleiben?

Iliev: Solange, wie mich die Bürger wollen. Wenn ich hier rausgejagt werde, habe ich meinen Job nicht gut genug gemacht. Ich bin aber zuversichtlich, dass ich mich in das Amt einfinde und einen guten Job mache.

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