Fragen und Antworten zu den Plänen von Juwi in Stärklos – Noch ist die Genehmigung nicht beantragt

Ein Windpark mit sechs Anlagen

Sechs Anlagen plant Juwi in Stärklos. Davon würden vier im Wald stehen, eine auf offener Fläche und eine in Grenzlage. Genehmigt sind die Anlagen aber noch nicht.

Stärklos/Rhina. Überraschend wenige Bürger hatten sich am Freitagabend im Dorfgemeinschaftshaus (DGH) Rhina eingefunden, um sich über die Windkraftpläne im Ortsteil Stärklos informieren zu lassen. Nur etwa 20 Zuhörer füllten höchstens die Hälfte der Plätze. Dabei war die Veranstaltung extra von Wehrda in das größere DGH nach Rhina verlegt worden. Weitere Stühle hätten bereit gestanden.

Über das Vorhaben (die HZ berichtete bereits) informierten Volker Wilhelm vom Projektentwickler Juwi und Wolfgang Weber vom Regierungspräsidium als Genehmigungsbehörde. Das Wichtigste im Überblick:

?Um welches Gebiet geht es überhaupt?

!Juwi plant bis zu sechs Windkraftanlagen im sogenannten Vorranggebiet HEF_45 nördlich des Haunetaler Ortsteils Stärklos an der Grenze zu Niederaula. Von den sechs Anlagen würden vier im Wald, eine auf offener Fläche und eine in Grenzlage stehen (siehe Grafik). Anlage Nummer 6 stünde den derzeitigen Pläne nach in der Nähe zur Autobahn 7, Anlage 1 nahe des Heussner Turms.

Die Flächen sind in kommunaler Hand beziehungsweise in der Hand der Waldgemeinschaft, Privatbesitz oder gehören zum Hessen Forst.

?Wer ist Juwi und wo baut der Projektentwickler noch?

!Juwi steht für die Namen der Firmengründer: Fred Jung und Matthias Willenbacher. Gegründet wurde Juwi 1996 in Rheinland-Pfalz, heute ist der Firmensitz in Wörrstadt bei Mainz. Seit Ende 2014 ist die Mannheimer MVV Energie AG Partner und Miteigentümer der Juwi-Gruppe, die vor allem Projekte mit Wind- und Solarenergie plant und umsetzt. Eigenen Angaben zufolge beschäftigt die Juwi-Gruppe weltweit rund 1000 Mitarbeiter. Im Kreis Hersfeld-Rotenburg baut Juwi aktuell bei Hainrode/Ersrode. Dort werden sechs Windräder im Privatforst errichtet.

?Welche Anlagen sind für Stärklos vorgesehen?

!Juwi plant mit Anlagen des Typs Vestas V-126 3.45 MW. Diese Anlagen sind 212 Meter hoch, die Nabenhöhe beträgt 149 Meter und die Leistung 3,45 Megawatt. Wie sich die Anlagen in der Landschaft darstellen würden, versuchten die Juwi-Vertreter anhand von Visualisierungen darzustellen, die auf Fotos basieren.

Der Abstand zur Ortslage Stärklos beträgt 1000 Meter, ein Einzelgehöft zwischen Kruspis und Holzheim ist etwa 600 Meter entfernt.

Informierten: Jennifer Plate (Juwi), Volker Wilhelm (Juwi), Bürgermeister Gerd Lang, Wolfgang Weber (RP) und Martin Jeromin (Juwi, hinten).

?Wie konkret sind die Pläne für Stärklos?

!Die Anlagen sind bislang weder genehmigt noch hat Juwi den Antrag auf Genehmigung gestellt. Es laufen derzeit avifaunistische Untersuchungen. Ob die Unterlagen noch in diesem Jahr beim Regierungspräsidium eingereicht werden, werde sich in den nächsten Wochen zeigen, berichtete Martin Jeromin von Juwi. Beim RP wird jede Anlage einzeln geprüft, sodass es auch sein kann, dass nur ein Teil der selbigen das Ok bekommt. Wolfgang Weber von der Genehmigungsbehörde geht davon aus, dass der früheste Zeitpunkt für eine Genehmigung Herbst 2016 sein könnte. Noch im Oktober 2015 hofft Juwi einen Windmessmast aufstellen zu können. Dieser wird nahe der geplanten Anlage 3 gebaut.

?Wo würde der Strom denn eingespeist?

!Die Netzverknüpfungspunkte sind noch nicht bekannt, dafür sei das Projekt noch zu jung. Die Einspeisung würde über ein Erdkabelsystem zum Umspannwerk erfolgen. Die Trasse ist aber eben noch unbekannt. In Ludwigsau müssen beispielsweise rund 14 Kilometer Kabel verlegt werden, so Wilhelm.

?Was hat die Gemeinde von der Windkraft?

!Bürgermeister Gerd Lang hofft, dass die Gemeinde etwa von Pachteinnahmen oder Steuern profitieren kann. Laut Juwi wären auch Modelle der Bürgerbeteiligung denkbar. Diese könnten zum Beispiel zusammenlegen und ein Bürgerwindrad betreiben.

?Welche Bedenken haben manche Bürger?

!Neben grundsätzlicher Kritik an der Energiewende wurden in Rhina Zweifel an der Wirtschaftlichkeit der Anlagen deutlich ebenso wie Bedenken der Optik wegen. Auch wegen des Eingriffs in die Natur, Schattenwurf, Lärm und Infraschall sorgen sich manche Bürger. Es gibt aber auch welche, die sind dafür.

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