Künstler Gunter Demnig verlegt Stolpersteine gegen das Vergessen in Buchenau

Verbeugung vor Opfern

Vor Ort: Gunter Demnig, der die Aktion „Stolpersteine“ ins Leben gerufen hat, kam selbst nach Buchenau, um die Gedenksteine zu verlegen. Foto: Desoi

Buchenau. Vor 70 Jahren, im Jahr 1942, wurden von den Nazis fünf jüdische Buchenauer verschleppt. Zum Gedenken sind jetzt vor ihrem ehemaligen Wohnhaus an der Hermann Lietz Straße 3 Stolpersteine verlegt worden – fünf Gedenksteine mit den Namen der später Ermordeten wurden in den Boden gepflastert: Helene, Feilchen, Berta, Malchen und Levi Rosenstock.

Schon über 35 000 Stolpersteine in etwa 750 Ortschaften hat der Künstler Gunter Demnig in der Bundesrepublik gesetzt. Darunter auch in Bad Hersfeld, Burghaun, Lauterbach, Hünfeld, Rotenburg, Oberaula und nun in Buchenau. Für Demnig sind die Gedenktafeln aus Messing „eine Verbeugung vor den Opfern“.

Informieren über Geschichte

Anstoß zu dieser Aktion gaben Klaus Göbel vom Schloss Buchenau und Dr. Arnold von Bosse, ein gebürtiger Buchenauer. Klaus Göbel: „Die Geschichte der Familie ist für mich sehr bewegend. Unser Ziel ist es, dass durch die Stolpersteine auch die nächsten Generationen über die jüdische Geschichte in Buchenau Bescheid wissen.“ So wurde auf einem Spendenkonto der Betrag gesammelt um die Messingsteine zu finanzieren. Pro Stein sind das 120 Euro. Von Bosse: „Damit Faschismus in Zukunft tatsächlich als etwas Vergangenes angesehen werden kann, ist es wichtig, so viel wie möglich über jenes dunkle Kapitel deutscher Geschichte zu wissen.“

Unter den etwa 30 Gästen erinnert sich eine Buchenauerin: „Ich war damals acht Jahre alt und habe mit angesehen, wie die Geschwister auf einem Leiterwagen abtransportiert wurden. Sie weinten und hatten Angst und hielten sich an der Leiter fest.“ Und ein älterer Mitbürger ergänzt: „Die Geschwister wohnten genau gegenüber dem Spiegelschloss und dort gab es unter SS-Führung eine Nazi-Schule. Wir sahen das Hakenkreuz auf dem Dach und am Eingang standen die Wachposten. Wir sahen die Jeeps rein- und rausfahren. Aber dass im Keller systematisch Juden und Oppositionelle verprügelt wurden, das bekam draußen keiner mit.“

Scheich dankt

Eiterfelds Bürgermeister Hermann-Josef Scheich bedankte sich bei den Initiatoren und erinnerte an die sechs Millionen Juden, die während der Nazi-Herrschaft ermordet wurden.

Von Christa Desoi

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