Landwirtschaftsserie

Öl aus kleinen Kernen - Familie Braun baut Kürbisse an

Freuen sich über die erste große Ölkürbis-Ernte: (von links) René Kempf sowie Samuel, Maren, Christiane, Pia, Irmgard und Lian Braun. Im aufgeschnittenen Kürbis sind die Kerne erkennbar, aus denen das Öl gepresst wird. Foto: Eisenberg

Mauers. Ein wenig Einfallsreichtum gehört schon dazu: Nachdem René Kempf die Kürbisse mit Hilfe einer Maschine halbiert hat, saugt er die glitschigen Kerne mit einem handelsüblichen Industriestaubsauger aus dem Fruchtfleisch. Nachdem sie gereinigt und ge trocknet wurden, sollen sie zu hochwertigem Öl verarbeitet werden.

Auf den Feldern bauen die Schwestern Maren und Christiane Braun aus dem Haunetaler Ortsteil Mauers in diesem Jahr erstmals Ölkürbisse an. In der Region ist das eine echte Besonderheit.

Bereits vor einigen Jahren habe sie gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten René Kempf damit begonnen, die Zier- und Speisekürbisse im Garten anzupflanzen und zu Suppe oder Marmelade zu verarbeiten, erzählt Maren Braun. Mittlerweile gedeihen die Gewächse im Freiland und werden von den Nebenerwerbslandwirten an mehreren Selbstbedienungsständen sowie auf Bauernmärkten in der Region verkauft.

Suche nach regionalen Rohstoffen

Die Initiative zum Anbau der Ölkürbisse sei von Anette Herbst, der Inhaberin der Bad Hersfelder Ölmanufaktur Waldhessen ausgegangen, die auf der Suche nach regionalen Rohstoffen für ihre Produkte war. Nach ersten Versuchen mit einzelnen Pflanzen im vergangenen Jahr, wachsen die Ölkürbisse jetzt auf rund 1000 Quadratmetern Fläche.

Während die Zier- und Speisekürbisse im Gewächshaus vorgezogen und erst nach den Eisheiligen ins Freiland gepflanzt wurden, haben die Nebenerwerbslandwirte die Samen der Sorte „Steirischer Ölkürbis“ Anfang Mai direkt auf dem mit Stallmist gedüngten Feld ausgesät. Nach dem Keimen werden die Pflanzenreihen mit einer am Traktor angebauten sogenannten Fingerhacke mechanisch unkrautfrei gehalten. Bei Bedarf muss von Hand nachgearbeitet werden. Für den Kürbisanbau zugelassene Pflanzenschutzmittel gebe es nicht, erklärt René Kempf.

Das Zentrum der Kürbiskernöl-Produktion liegt in der Steiermark in Österreich. Dort seien spezielle Mähdrescher im Einsatz, berichtet der 38-Jährige. Bei Familie Braun ist hingegen viel Handarbeit angesagt, wenn die fußballgroßen Fruchtkörper ab Anfang Oktober geerntet werden. Für einen Liter Öl werden gut zwei Kilo Kerne benötigt – die Ausbeute von 30 bis 35 Kürbissen. Das übrigbleibende Fruchtfleisch wird als Viehfutter verwendet.

2016 war ein Kürbisjahr

„2016 war ein Kürbisjahr“, erklärt Maren Braun. Im nassen Sommer seien die Pflanzen ausreichend mit Wasser versorgt worden, der warme und trockene September habe die Reife beschleunigt.

Trotz des großen Arbeitsaufwandes sei der Kürbisanbau mehr als bloße Liebhaberei, betont die 37-Jährige: In Zeiten niedriger Getreidepreise gehe es auch darum, eine Nische für den Fortbestand des Hofes zu finden. Wenngleich die Kürbisfelder derzeit noch einen Bruchteil der 60 Hektar Betriebsfläche ausmachen.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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