Seit 50 Jahren kein Strom und kein fließendes Wasser

Das evangelisch-methodistische Zeltlager in Holzheim kommt ohne großen Luxus aus

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Langeweile kommt im Zeltlager nicht auf: In kleinen Gruppen wird gespielt oder gebastelt. Hinten links Leiterin Claudia Kittsteiner.

Holzheim. Zwei Wochen ohne Strom, Handy, Fernsehen, fließend Wasser und sonstigen Luxus: Den Kindern und Jugendlichen im Zeltlager der evangelisch-methodistischen Gemeinde scheint das nichts auszumachen. Zwei Wochen lang leben sie mitten im Wald auf der Mengshäuser Kuppe in Holzheim.

Lagerleiterin Claudia Kittsteiner ist so etwas wie die Campmutter. Die 51-Jährige ist Sozialpädagogin und seit 1992 dabei. Der Gedanke ans Zelten habe auch ihr damals nicht unbedingt behagt, doch fortan war sie „mit dem Holzheim-Virus infiziert“, wie sie nun lachend berichtet.

62 Teilnehmer im Alter von sieben bis 19 Jahren sind in diesem Jahr dabei, darunter erstmals auch Kinder und Jugendliche aus muslimischen Flüchtlingsfamilien. Ursprünglich gab es zwei Zeltlager, eins für die Jüngeren, eins für die Älteren. Doch wie andere Freizeiten leide auch das Holzheimer Lager unter zurückgehenden Teilnehmerzahlen. Die meisten Teilnehmer kommen aus Berlin, aber auch dem Kreis Fulda sind welche dabei.

Elf Betreuer sind rund um die Uhr im Einsatz. Kittsteiners Mann ist das „Mädchen für alles“, und unter anderem für das Einkaufen zuständig. Er organisiert auch die Hilfe aus dem Dorf. „Wir bekommen seit jeher sehr viel Unterstützung aus Holzheim“, freut sich die Lagerleiterin.

Drei Leute bilden das Küchenteam, das für möglichst frisches und gesundes Essen sorgt. Beim Tischdecken und Abwaschen müssen die Teilnehmer mit anpacken. Wasser wird je nach Bedarf alle ein bis drei Tage in einem 1200-Liter-Fass geliefert. „Man ist immer wieder überrascht, wofür man alles Wasser braucht und wie schnell es weg ist“, berichtet Kittsteiner schmunzelnd.

Ohne Spülung funktioniert die gewöhnungsbedürftige Toilette, optisch allerdings machen die Häuschen durchaus etwas her: Sie sind mit handgeschriebenen Psalmen verziert.

Mitten im Wald liegt das Zeltlager der christlich-methodistischen Gemeinde.

Ein Generator ermöglicht den Kinoabend. Handys oder sonstige Unterhaltungselektronik sind für die Teilnehmer jedoch tabu. Die Mitarbeiter sind mit Notfallhandys ausgestattet. „Die Kinder sollen die Natur genießen und sich miteinander beschäftigen“, erklärt Kittsteiner.

Mit der Zeit geht man im Zeltlager trotzdem. „Früher haben wir die Lagerzeitung auf der Schreibmaschine getippt, heute nutzen wir natürlich einen Laptop“, so die Lagerleiterin.

Ob Fußball, Theaterspielen oder wandern: Drei feste Programmpunkte gibt es jeden Tag. Nicht fehlen dürfen Andachten und Bibeleinheiten. Denn: „Wir wollen die Botschaft Gottes verbreiten“, sagt Kittsteiner.

Neun Schlafzelte stehen für jeweils sechs bis acht Kinder bereit; getrennt nach Alter und Geschlecht. Für die Jüngeren ist um 22 Uhr Nachtruhe, die Älteren dürfen noch länger am Lagerfeuer sitzen. Hinzu kommen zwei Mitarbeiterzelte, ein Küchenzelt, ein Material-, ein Speise-, ein Wasch- und ein Gebetszelt. Der Lagerladen, in dem es Süßigkeiten zu kaufen gibt, hat bis auf sonntags einmal täglich geöffnet.

Alle drei Tage steht ein Schwimmbadbesuch auf dem Programm - dort kann dann auch geduscht werden.

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