Thomas und Gabriele Möckl betreiben die Traditionsgaststätte „Schacht“ in Oberhaun

Zwei Tage am Zapfhahn

Die Möckls bieten noch richtiges Fassbier an und die Zeiten, in denen Thomas Möckl als kleiner Junge zum Bierzapfen auf einen Stuhl steigen musste, sind längst vorbei. Fotos: Hanisch

Oberhaun. Auf einen Stuhl musste er steigen, um an den Zapfhahn heranzureichen, erinnert sich Thomas Möckl an seinen ersten Versuch, ein Bier zu zapfen. Das ist mittlerweile einige Jährchen her und nicht nur Thomas Möckl hat sich in dieser Zeit verändert, sondern auch die Gaststätte Schacht, mit der er als kleiner Junge aufgewachsen ist, und die er 2006 von seinen Eltern übernommen hat.

Seit 1881 in Familienbesitz

Die Gaststätte Schacht in Oberhaun ist ein Familienbetrieb mit langer Geschichte. 1881 kaufte eine Ahnenverwandte von Thomas Möckl das Grundstück mit Kneipe für 2100 Mark, die früher noch „Wirtschaft zum Stern“ hieß. Seitdem wurde das kleine Unternehmen von Generation zu Generation weitergegeben.

Nun versuchen Thomas und seine Frau Gabriele Möckl die Kneipe – die einzige in Oberhaun und eine der letzten drei in Hauneck – zu erhalten. „Früher war hier natürlich viel mehr los. In der Hochsaison musste meine Mutter bis zu 90 Essen kochen, um all die Gäste zu bewirten“, erzählt Thomas Möckl. Auch die angrenzenden Grünflächen wurden damals noch als Biergarten genutzt.

Heute betreibt das Ehepaar nur noch die Schankwirtschaft und hat das Geschäft auf zwei Tage in der Woche beschränkt: Freitags hält hier der Gesangverein seine Chorstunden ab und sonntags ist Frühschoppen angesagt.

Außerdem veranstalten einige Vereine ihre Jahreshauptversammlung in der Gastwirtschaft. „Ja, das ist der Betrieb, der hier so im Moment stattfindet“, fasst der 52-Jährige zusammen und schaut sich dabei in dem Gastraum mit der rustikalen Möblierung, der kleinen Theke im hinteren Teil des Raums und den vielen Vereinsurkunden an den Wänden um.

Warum sie die Wirtschaft nicht öfter öffnen? Thomas Möckl ist hauptberuflich bei einer Bank tätig und seine Frau Gabriele hat viel mit Haus und Grundstück zu tun und kümmert sich darüber hinaus noch um ihre Schwiegereltern – da bleibt nicht mehr viel Zeit übrig. „Es würde sich auch nicht mehr lohnen, jeden Tag zu öffnen und wir hätten auch nicht die Kraft dazu“, meint Gabriele Möckl.

Zu viele Vereinshäuser

Als Ursache für das Aussterben der Dorfkneipen sehen die Inhaber auch die vielen Vereinshäuser, die es früher noch nicht gab. „An den Preisen kann es schließlich nicht liegen – ein Euro für eine Tasse Kaffee ist wohl in Ordnung“, sagt die Inhaberin. Thomas Möckl möchte aber nicht nur dem „Wandel der Zeit“ die Schuld am zunehmenden Ausbleiben der Gäste geben: „Die Menschen prägen doch die Zeit und nicht andersherum.“

Auch wenn in dem Gastraum Wehmut in der Luft liegt, ist das Ehepaar weiterhin motiviert, die lange Familientradition fortzuführen und damit seinen Beitrag zur Dorfkultur zu leisten.

Von Christin Hanisch

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