Gerhard Waider gewinnt mit seinen Zuchttauben den Titel des Deutschen Meisters

„Züchten ist eine Lotterie“

Eine der Schönheiten: Gerhard Waider präsentiert eine seiner Thüringer Schildtauben, mit denen er schon viele Preise bei Ausstellungen gewonnen hat. Foto: Dräger

Reckrod. Es gurrt und gluckst im Taubenschlag von Gerhard Waider. Und immer wieder wackelt eine weiße Taube mit blauem Kopf oder eine weiße Taube mit gelben Flügeln neugierig aus dem Schlag heraus. Jeden Tag halten die 80 Tauben Gerhard Waider, der mit seiner Zucht als Deutscher Meister und auch schon als Europameister ausgezeichnet wurde, auf Trab.

Vom Vater infiziert

„Ich habe zwei Taubenarten. Die Thüringer Brüster und die Thüringer Schildtaube, die züchte ich jetzt seit 1989“, erklärt Gerhard Waider. Die Liebe zu Tauben entdeckte der Rentner durch seinen Vater, der auch schon liebevoll Brieftauben züchtete. So kam Gerhard Waider zu seinem Hobby. „Bei den Brieftauben wurde immer die Schnelligkeit über eine Distanz gemessen, aber irgendwann wollte ich keine Nutztauben mehr, sondern schöne Tauben züchten“, erzählt der 63-Jährige. Und Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. Bei seiner ersten Teilnahme an einem Wettbewerb gewannen seine Vögel. „Das Gefieder wird genau überprüft auch der fleischfarbene Schnabel und der rote Ring um das Auge der Tauben wird genau unter die Lupe genommen“, sagt Waider. Ein bis zwei Stunden Zeit am Tag beanspruchen die Vögel ihren Besitzer mit dem Säubern des Taubenschlags und dem Füttern. „Wenn es drin im Haus mal Streit gibt, dann gehe ich raus zu meinen Tauben.“ „Und ich weiß immer, wo ich ihn suchen muss“, wirft seine Frau, Ute Waider, lachend ein. Das Hobby ihres Mannes findet sie spitze, und dass er damit Erfolg hat, macht sie stolz. Auch wenn sie sich daran erst gewöhnen musste: „Ich bin milder geworden. Am Anfang fand ich es nervig, wenn die Sägespäne aus den Taubenkäfigen über die Schuhe bis ins Wohnzimmer getragen wurden.“

Seine Ehrungen kann das Mitglied des Rassegeflügelzuchtvereins 1899 in Bad Hersfeld schon gar nicht mehr zählen. „Alle meine Tauben sind meine Lieblinge und ich bin gerne im Verein, aber nicht nur wegen der Tauben, auch wegen der Atmosphäre“, schwärmt Waider.

Auch die Kinder aus der Nachbarschaft sind ganz vernarrt in seine Tiere. Deshalb legt der Rentner die auszubrütenden Taubeneier immer abends um 18 Uhr in die Brutmaschine. Nach 21 Tagen schlüpfen die Küken dann. Die Kleinen können sie dann mittags nach Schule oder Kindergarten anschauen.

Nagelschere fürs Gefieder

Der nächste Wettbewerb, an dem Waider mit seiner Zucht teilnehmen wird, findet im Dezember statt und dafür schneidet der Züchter sogar die Fehler aus dem Gefieder seiner Tauben mit einer Nagelschere heraus.

Aber nicht jede Taube ist für die Zucht zu gebrauchen. Die Schlechten kommen dann in die Suppe, damit die Anzahl der Tiere überschaubar bleibt. „Man kann zwei Tauben mit den besten Merkmalen kreuzen und es kommt nicht eine Schöne dabei heraus. Züchten ist eben wie eine Lotterie“, sagt Gerhard Waider lachend.

Von Magdalena Dräger

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