Montagsinterview: Hohenrodas Bürgermeister Andre Stenda ist längst angekommen

Das Wunder herbeiführen

Notizen: Das Flip-Chart gehört im Büro von Hohenrodas Bürgermeister Andre Stenda zur Standard-Ausrüstung. Auf dem Foto hakt er gerade bereits erledigte Dinge ab. Foto: Reymond

Oberbreitzbach. Der aus Trendelburg stammende Andre Stenda (27) ist heute auf den Tag genau 100 Tage Bürgermeister der Gemeinde Hohenroda. Wir haben mit dem zurzeit jüngsten Bürgermeister in Hessen gesprochen und dabei seine ersten drei Monate Amtszeit Revue passieren lassen.

Herr Stenda, wie viele „Überraschungen“ hat Ihnen Ihr Vorgänger hinterlassen?

Andre Stenda: Ich bin eine Person, die versucht die Zukunft zu gestalten. Deswegen widerstrebt es mir auch, über Sachverhalte zu sprechen, die vor dem 1. September liegen. Das müssen letztlich auch andere beurteilen, die näher am Geschehen waren. Sicherlich sind aus der Vergangenheit resultierende Sachverhalte aufzuarbeiten, aber das ist bei einer Übergabe denke ich normal.

Also haben Sie sich im Rathaus gut eingelebt?

Stenda: Ja, ich wurde von der Belegschaft super aufgenommen. In der Verwaltung arbeiten wir kollegial zusammen. Auch in dem von mir gestalteten Büro fühle ich mich wohl.

Was hat Sie an Hohenroda positiv überrascht?

Stenda: Die Herzlichkeit der Bürgerinnen und Bürger schon während des Wahlkampfs. Schon damals habe ich festgestellt, dass der Beruf des Bürgermeisters hier in Hohenroda genau der richtige für mich ist.

Was gefällt Ihnen überhaupt nicht?

Stenda: Der Sanierungsstau. Viele Liegenschaften werden uns noch viele Bauchschmerzen bereiten. Nicht nur das Schloss (Rathaus) und der Kindergarten in Ausbach, auch die Dorfgemeinschaftshäuser. Das sind immense Investitionen, die jahrelang geschoben wurden. Als Schutzschirmkommune mit unseren eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten wird uns das Abarbeiten nicht leicht fallen. Aber ich möchte mich dieser Herausforderung stellen.

Haben Sie in den ersten 100 Tagen dem Bürgermeisteramt bereits Ihren Stempel aufdrücken können?

Stenda: Ich denke schon. Einzelne Verwaltungsprozesse wurden bereits optimiert. Gerade der IT-Bereich wurde aufgewertet. Ich setze sehr auf die Nutzung der Computertechnik, um kostengünstigere und schlankere Prozesse zu implementieren.

Welche großen Herausforderungen stehen in naher Zukunft an?

Stenda: Das Erfüllen des Schutzschirmvertrages und die Haushaltskonsolidierung. Bis 2018 muss zur Erfüllung des Schutzschirmvertrages ein ausgeglichener Haushalt präsentiert werden. Deswegen gilt es, den Haushalt auf weitere Einsparpotenziale zu überprüfen, ohne dass die Lebensqualität Hohenrodas verloren geht. Hier sollten alle Möglichkeiten andiskutiert werden, ohne jegliche Tabus.

Hilft denn beim Sparen auch die interkommunale Zusammenarbeit?

Stenda: Da haben wir, was die Kasse betrifft, schon sehr gute Beziehungen zu Friedewald. Da stehen wir in ständigem Kontakt. Auch mit weiteren Nachbarkommunen sind wir in Gesprächen, um Optimierungspotenziale auszuschöpfen. Es gibt viele Ideen. So etwas muss aber sehr gut durchdacht sein. Letztlich belastet man dadurch den Bürger nicht und kann innerhalb der Prozesskette Einsparungen generieren.

Wie läuft die Arbeit in den politischen Gremien?

Stenda: Sehr kollegial. Wir sind alle bestrebt, sachorientierte Politik zu machen. Ich persönlich möchte in alle Entscheidungen das Parlament einbinden und auch weiterhin transparent arbeiten.

Weihnachten steht vor der Tür. Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was sollte dann bei Ihnen unter dem Baum liegen?

Stenda: Sechs Millionen Euro (lacht) sollte der Weihnachtsmann zur Deckung des Defizits dabei haben. Ich warte täglich auf ihn. Da wir uns jedoch darauf nicht verlassen können, warten wir nicht wirklich auf das Wunder, sondern arbeiten aktiv daran, es herbeizuführen.

Von Mario Reymond

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