Pfarrer Steffen Blum und viele weitere Helfer engagierten sich

In Wehrda willkommen: Syrische Familie ist gut angekommen

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Engagement vor Ort: Pfarrer Steffen Blum und viele andere Helfer haben auf eigene Initiative hin eine Wohnung für Flüchtlinge hergerichtet. Darin lebt inzwischen eine vierköpfige Familie aus Syrien, für die die Wehrdaer unter anderem Deutschunterricht organisiert haben.

Wehrda. Sie haben einen langen Weg hinter sich: Doch jetzt ist eine vierköpfige Familie aus Syrien in Wehrda angekommen.

Um eine Familie reicher ist das 600-Einwohner-Örtchen Wehrda seit Anfang Oktober. Vater, Mutter und zwei kleine Kinder bewohnen nun ein zuvor leerstehendes Fachwerkhaus. Die kurdisch-muslimische Familie stammt aus dem Nordosten Syriens. Über die Türkei und mehrere Stationen innerhalb Deutschlands führte ihr sie Weg schließlich nach Haunetal.

Anteil daran hat Pfarrer Steffen Blum. Er sprach den Besitzer der Immobilie und später den Landkreis an, mit der Idee dort eine Flüchtlingsfamilie unterzubringen. „Der Aha-Moment für mich war der Auftritt von Ranga Yogeshwar in einer Talkshow. Er rechnete vor, dass bei einer Million Flüchtlinge in Deutschland einer auf 80 Bürger käme“, erklärt Blum. „Das klingt doch machbar. Wenn wir wegkommen von Massenunterkünften, können wir das schaffen.“

Gesagt, getan. Mit der Zusage vom Landkreis war zunächst Handarbeit angesagt. „Wir sind in den Baumarkt gefahren und haben losgelegt“, berichtet Blum. Gemeinsam mit vielen weiteren Helfern – darunter auch örtliche Handwerker – wurde die Wohnung auf Vordermann gebracht und „vom Besteck bis zum Bett“ eingerichtet.

Im Erntedankgottesdienst benannte der Pfarrer Dinge, die noch fehlten, und schon am gleichen Abend sei alles vorhanden gewesen. Zuschüsse für die Einrichtung gab es vom Landkreis. „Entgegen anders lautender Gerüchte haben wir kein Geld aus dem Spendentopf für die Kirchenrenovierung verwendet und es verdient auch niemand an dieser Initiative “, stellt Blum klar. Im Haushalt der Kirchengemeinde sei ein Extra-Posten für Flüchtlingshilfe eingerichtet worden.

Sprachbarrieren

Und dann war sie da, die neue Familie. Trotz Verständigungsschwierigkeiten, anfänglicher Zurückhaltung oder Problemen mit dem Papierkram, habe letztlich alles wunderbar funktioniert, freut sich Blum. Die fünf Jahre alte Tochter besucht inzwischen die Haunetaler Kindertagesstätte, Arztbesuche wurden gemeinsam absolviert, der Geburtstag der Mutter gefeiert, Dolmetscher und Sprachlehrer gefunden. Mit dem Fahrrad fährt der Vater zum Einkaufen nach Neukirchen. „Inzwischen blicke ich in strahlende Augen, wenn ich ins Haus komme“, sagt Blum. „Wir lösen nicht die Probleme der Welt, aber zumindest eine Familie hat es warm, und kann in Frieden leben.“ Selbst in die Öffentlichkeit treten möchten die Syrer ebenso wie die anderen Helfer aus Wehrda nicht.

Was uns in Frankreich so schockiert habe, passiere etwa in Syrien ständig, betont Blum. „Auch diese Menschen laufen vor Terror weg. „Sie kommen nicht zu uns, weil es hier so schön ist.“ Sicher werde die Familie nicht ewig in Wehrda bleiben, aber man wolle ihr gemeinsam einen guten Start ins neue Leben ermöglichen.

Ein Kurzinterview mit Steffen Blum zum Thema lesen Sie in der HZ am Freitag.

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