Silhouette der Ruine Hauneck verschwindet hinter Bäumen – Freischneiden oder nicht?

Wald verdeckt die Burg

Norbert Diener vom Forstamt Burghaun zeigt auf die Laubbäume, die schon weit über die äußeren Burgmauern der Ruine Hauneck ragen und die Sicht versperren. Foto: Ulrich Schmid

Oberstoppel. „Die Gretchenfrage lautet: Natur oder Kultur“, bringt es Norbert Diener, Bereichsleiter Hoheit beim Forstamt Burghaun, salopp auf den Punkt. Zum Verständnis: Was innerhalb der Burgmauern passiert, dafür ist die Gemeinde Haunetal zuständig, für den äußeren Burgenring und den ihn umgebenden Wald zeichnet Hessen Forst verantwortlich.

Zur Zeit ihrer Nutzung war den Hausherren der Burgen an freier Sicht gelegen. So konnten sie den Feind anrücken sehen und sich und ihre Untertanen auf kommende Scharmützel einstellen. Doch Menschenwerk und Natur verlaufen oft gegensätzlich, die Burgen bröckelten, der Wald dagegen wuchs und wächst. Letzteres stört vor allem jene, die für das jetzige Erscheinungsbild der Burgruine im wahrsten Sinne des Wortes hart geschuftet haben. „Die Bäume sind sehr hoch gewachsen, der Panoramablick muss wieder hergestellt werden“, sagt Victor Sabo von der Bürgerinitiative Burgruine Hauneck. Auch der Wunsch, dass man das Bauwerk aus dem 15. Jahrhundert von Ferne erkennt, ist dem Heimatforscher ein Herzensanliegen. Schneisen freischneiden, Baumkronen kappen oder Rodung seien Möglichkeiten, die man sich seitens der Ruinen-Restauratoren vorstellt. „Vielleicht können wir uns ja mit Hessen Forst in der Mitte treffen“, hofft Sabo.

Dass man sich seitens Hessen Forst diesem Anliegen nicht komplett versperrt, merkt man Norbert Diener beim Ruinen-Rundgang an. Doch er sagt auch: „Der von seiner Wertigkeit sehr hoch angesiedelte Blockschuttwald ist ein nach Paragraf 30 des Bundesnaturschutzgesetzes streng geschütztes Biotop. Wir Förster können dort nicht so einfach die Kettensägen anwerfen.“

Arbeit mit Motorsägen

In unmittelbarer Nähe der Ruinen-Außenmauern wurde aber schon mit Motorsägen gearbeitet, dies zeigen meterhohe und oberarmstarke Wurzel-triebe, die schon wieder zu einem Jungwaldgürtel heranwachsen. „In diesem Bereich kann man sicher wieder tätig werden“, meint Diener.

Doch bei dem Gedanken an die Rodung der alten Edelholzbestände aus Ahorn, Esche, Ulme und Elsbeere zeigen sich auf Dieners Stirn Falten. Vielleicht auch besonders deshalb, weil Hessen Forst im Rahmen des Biodiversitätsprogramms dazu verpflichtet ist, acht Prozent der Waldflächen stillzulegen. Und im Halbkreis um die Burg Hauneck wurden etwa 40 Hektar für dieses Programm ausgewiesen: Eben weil den hochwertigen Laubbäumen der nährstoffreiche Basaltboden zusagt, auf dem auch die Fundamente der Burgruine fußen.

Keine Beschleunigung

Dass bei solch einem Standort nicht nur mit dem Eigentümer (Hessen Forst), sondern auch mit Naturschutzbehörden verhandelt werden muss, wird den Wunsch vieler Haunetaler nach einem weithin sichtbaren Wahrzeichen nicht gerade beschleunigen.

Von Ulrich Schmid

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