Fünf Frauen treffen sich in Körnbach zum fast vergessenen Federnschleißen

Viel Geduld für ein Kissen

Sie zupfen die flauschigen Federn von den Kielen (von links): Anneliese Wienert, Sieglinde Hilpert, Maria Kirchhof, Inge Biensack und Rita Wiegand. Albert Biensack hält das fleißige Quintett mit Kaffee und Kuchen bei Laune. Fotos: Burkhardt

Körnbach. In den Wintermonaten versammeln sich in der warmen Stube von Inge Biensack in Körnbach Frauen, um mit dem Federnschleißen eine fast in Vergessenheit geratene Arbeit und einen guten Brauch anzugehen.

Immer wieder schüttet Albert Biensack weiße Federberge vor Anneliese Wienert, Sieglinde Hilbert, Maria Kirchhof, Rita Wiegand und seiner Ehefrau auf einem Tisch aus. Dann macht sich das Quintett frohgelaunt ans Werk. Feder für Feder nehmen sie in ihre Hände, um den zarten und wertvollen Federflaum von den Kielen, dem harten Teil der Feder, abzustreifen und in Kartons zu werfen.

Dieser Arbeit, die viel Geduld verlangt, wurde in früheren Zeiten mehr Gewicht beigemessen. Schon damals waren Daunen sehr teuer. Es war aber keine Rede von polnischen, baltischen, sibirischen oder kanadischen Gänsen, die ihr Federkleid für Bettdecken und Kopfkissen hergaben. Stattdessen hielt man auf den Höfen in der hessischen Rhön selbst ein wenig Wassergeflügel, das nicht nur der Ernährung der Familien diente, sondern dessen „Resteverwertung“ letztlich auch für ein warmes Bett sorgte.

500 Gramm Daunen

Da die Daunen nun wirklich „federleicht“ sind, kommt ein stattlicher Berg zusammen, wenn man die 500 Gramm Federn gesammelt hat, die man als Füllung für ein Kopfkissen benötigt. Enorme 2000 Gramm sind gar für ein Federbett erforderlich.

Kein Wunder, dass in früheren Zeiten oft über mehrere Jahre gesammelt werden musste, bis die erforderliche Menge zur Verfügung stand. Die so entstehenden Kissen waren oft Bestandteil der Aussteuer der heiratsfähigen Töchter und damit etwas ganz Besonderes.

Doch Feder ist längst nicht gleich Feder: Besonders teuer, so die Fachfrauen, seien Gänsedaunen, weil sie mit ihren seidenweichen Härchen und feinen Verästelungen besonders viel Luft einschließen und auf diesem Weg die Wärme speichern könnten.

Die Federn in der Arbeitsküche der Biensacks stammen diesmal von den im Freigehege gehaltenen Enten und Gänsen von Biensacks selbst und den Hilberts aus Arzell. Nach dem Schlachten wurden die Tiere gerupft, und die weißen Federn kamen zum Trocknen in luftdurchlässige Behälter.

Das Lösen der feinen Federn von den harten Kielen war früher eine Arbeit, die Tage und Wochen in Anspruch nahm. Klar, dass man in dieser gemeinsamen Runde stets auf dem Laufenden war: Man tauschte Neuigkeiten aus, die auch von zuschauenden Kindern zugetragen wurden, und man sang gemeinsam Lieder.

Nicht weniger amüsant verlaufen die Stunden bei den Biensacks in Körnbach. Albert Biensack hält die Feder-Frauen mit Kaffee und Kuchen bei Laune. Allerdings muss er beim Öffnen und Schließen der Zimmertür aufpassen, dass kein Durchzug entstand, der die Federn vom Tisch pustet. Und zum guten Abschluss wird – wie in alten Zeiten – allen noch mal richtig aufgetischt.

Von Karl-Heinz Burkhardt

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