In der Haunecker Selbsthilfegruppe nach Krebs finden Betroffene Unterstützung

Verstehen und vergnügen

Doris Barthel (vorne, Zweite von rechts) hat vor 13 Jahren die Haunecker Selbsthilfegruppe für an Krebs erkrankte Frauen gegründet, zu der aber auch ein Mann gehört, der gerne Hahn im Korb ist. Seit zehn Jahren ist die Gruppe dem Landesverband Frauenselbsthilfe nach Krebs angeschlossen. Foto: Maaz

Hauneck. Als Doris Barthel mit 45 Jahren die Diagnose Krebs erhielt, traf es sie „aus heiterem Himmel“. Nach einem kleinen Arbeitsunfall hatte sie beim Sport plötzlich Schmerzen in der Brust gespürt, ihr Hausarzt schickte sie schließlich zur Mammografie – und nach einigen Tests und einer Gewebeentnahme war klar: Die Hauneckerin hatte ein Sarkom, einen bösartigen Tumor, in der Brust. Zwei Wochen nach dem ersten Arztbesuch lag sie auf dem OP-Tisch.

Einige Zeit später rief sie die Haunecker Frauenselbsthilfegruppe nach Krebs ins Leben, die inzwischen seit 13 Jahren besteht und seit zehn Jahren dem Landesverband Frauenselbsthilfe nach Krebs angehört. Vor Kurzem wurde der runde Geburtstag ausgiebig gefeiert. „Mein Onkologe hat mich damals motiviert, man könnte auch sagen überredet, eine solche Gruppe zu gründen“, berichtet Barthel. „Sie können das, hat er immer wieder gesagt.“

Mit etwa zehn Frauen – und anfangs auch mal zwei, drei Männern – hat es angefangen, inzwischen sind regelmäßig über 20 Betroffene im Alter von 50 bis 80 Jahren aus dem Altkreis Hersfeld dabei. Zu besonderen Veranstaltungen auch mehr. Die meisten Frauen in der Gruppe sind – in unterschiedlichen Stadien – von Brustkrebs betroffen, aber auch eine an Eierstockkrebs Erkrankte fühlt sich in der Gruppe gut aufgehoben.

Als einziger Mann in der Runde ist Karl Manns aus Rotensee seit etwa fünf Jahren dabei. Als Hahn im Korb fühlt sich der an Prostatakrebs erkrankte Alleinstehende wohl – auch beim Basteln macht er gerne mit. Einen tierischen Begleiter hat die Gruppe ebenfalls: Pudel „Abba“ bereichert fast jedes Treffen, wenn sein Frauchen ihn mitbringt.

„Ich war nach meiner OP auch ganz viel mit unserem Hund spazieren“, erinnert sich Doris Barthel, die zu diesem Zeitpunkt ihre Arbeit in der Haunecker Mosterei und im angrenzenden Laden aufgeben musste. „Das hat mir sehr geholfen. Denn mein erster Gedanke nach der Operation war: Jetzt nur nicht schwächeln.“ Sport sei überhaupt sehr wichtig und tue gut. Einige Frauen aus der Gruppe gehen deshalb jeden Montag gemeinsam zum Sport.

„Reden nicht nur über Krebs“

Einmal im Monat, mittwochnachmittags, trifft sich die Gruppe – mal zum Kaffeetrinken, mal zum Basteln, aber auch medizinische Fachvorträge und Besichtigungen von Rehakliniken stehen auf dem Programm. „Wir reden nicht nur über Krebs, wir machen auch viele schöne Sachen“, sagt Barthel. Vor allem sollen sich die Frauen in der Gruppe aber untereinander austauschen können und verstanden fühlen.

„Es ist gut, wenn man in so einer Situation nicht alleine ist und sich mit anderen Betroffenen besprechen kann“, so Barthel, die inzwischen wieder voll arbeitet. „Außenstehende können die Situation der Betroffenen häufig nicht verstehen oder wissen nicht, wie sie mit einem umgehen sollen.“ Das hat die 59-Jährige selbst erlebt.

Am kommenden Wochenende, 21. und 22. September, hat die Gruppe einen Stand bei der Vitalmesse in der Schilde-Halle Bad Hersfeld.

Von Nadine Maaz

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