Wochenendporträt: Kai Möller aus Buchenau schätzt die Kunst des Destillierens

Verschroben, aber seriös

Destillieren als alte Handwerkskunst: Kai Möller aus Buchenau setzt sich für legales Schnapsbrennen ein, interessiert sich aber auch für die Gewinnung von Duftölen oder Heilmitteln. Über die Kunst des Destillierens hat er bereits zwei Bücher geschrieben. Das Bild zeigt im Vordergrund eine Wasserbaddestille aus Kupfer. Foto: Maaz

Buchenau. 20 Jahre lang hat Kai Möller in Spanien gelebt, wo er als Straßenmaler und Journalist das bisschen Geld verdiente, das man als Selbstversorger mit Familie eben so braucht. Auch einen Online-Handel mit Modellautos und einen Verlag für Kinderbücher betrieb er zwischenzeitlich mit seiner Frau. Hängengeblieben ist er schließlich bei seinem Hobby, dem Destillieren – und im Eiterfelder Ortsteil Buchenau.

Möller verkauft Destillieranlagen, Kupferkessel und sonstiges Zubehör, das man zum Herstellen von Alkohol, ätherischen Ölen und aromatischen Speisen benötigt. Und er betreibt das Aromamuseum in Buchenau. Zu seinen Kunden zählen Aromatherapeuten, aber auch geheime Schnapsbrenner aus dem Ausland. Auch in Deutschland ist privates Schnapsbrennen nur bis zu 0,5 Litern erlaubt. Für Möller ein Unding. Ganz so rebellisch wie früher sei er in seinem Engagement für legales Schnapsbrennen aber nicht mehr.

„Ich wollte immer etwas machen, das von Herzen kommt“, sagt Möller, der auch eine alte Handwerkskunst wieder aufleben lassen möchte. Davon abgesehen, dass er als junger Mann gerne Musiker oder Künstler geworden wäre, habe er immer etwas machen wollen, das sich auch von zu Hause erledigen lässt. Viel unterwegs ist Möller für seinen Handel und sein Hobby nun trotzdem. Zuletzt besichtigte er Whiskeybrennereien in Irland.

In Spanien blieb der 50-Jährige damals dank seines kaputten Doppeldeckerbusses hängen, mit dem er eigentlich ein halbes Jahr umherreisen wollte. 2008 entschieden er und seine Frau, der Kinder wegen wieder nach Deutschland zu ziehen. „Es war an der Zeit, etwas sesshafter zu werden“, sagt Möller lachend. Nach Buchenau verschlug sie auf der Suche nach einem Haus der Zufall. Zwei Häuser plus Garten und kleinem Hof waren für Möllers Leidenschaft rund um Destillation und Alchemie genau richtig.

Zweites Buch veröffentlicht

Vor kurzem ist sein zweites Buch zum Thema erschienen. „Die hohe Kunst des Destillierens“ lautet der Titel. Ob Schnaps, Parfüm, alternativer Treibstoff oder Heilmittel – Möller erklärt darin, was mit welcher Methode „gebrannt“ werden kann. „Ich habe schon immer gerne geschrieben“, sagt Möller. Da habe es nahe gelegen, sein Wissen auf diese Weise weiterzugeben.

Gebürtig kommt der Wahl- Buchenauer aus Würzburg, der dortigen Spießigkeit wegen sei er aber schon in jungen Jahren weggegangen. Auch zum Destillieren kam er bereits in der Jugend – über Experimente mit Naturdrogen. Einen Hehl aus Vergangenheit als Kiffer macht Möller nicht, hervorkehren will er das mittlerweile aber auch nicht mehr. „Wir sind ja jetzt seriös“, erklärt der 50-Jährige schmunzelnd. Mit der Bezeichnung „verschroben“, wie sie im Werbetext seines Buches vorkommt, hat er trotzdem kein Problem.

Fernweh hat Möller nicht. In Buchenau fühlt er sich wohl und akzeptiert. Und auch der Lavendel im Garten gedeiht prächtig.

Von Nadine Maaz

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