Das Fränkische Theater Schloss Maßbach gastierte mit „Anna Karenina“ im Bürgerhaus

Tolstoi in Eiterfeld

Brachten „Anna Karenina“ im Bürgerhaus Eiterfeld auf die Bühne: Johannes Aichinger (von links) als Alexej Wronskij, Susanne Pfeiffer als Darja Oblonskaja, Silvia Steger als Anna Karenina und Marc Marchand als Alexej Karenin. Foto: Landsiedel

Eiterfeld. Mit einer gelungenen Bühnenfassung von Leo Tolstois Romanvorlage „Anna Karenina“ gastierte das Fränkische Theater Schloss Maßbach am Montagabend im Bürgerhaus Eiterfeld.

Rolf Heiermann hat das Kunststück vollbracht, Tolstois vielschichtiges Epos auf ein zweistündiges Bühnenstück mit fünf Personen zu verdichten, ohne dass der Haupthandlungsstrang des Romans, die tragisch endende Dreiecksbeziehung zwischen Anna, ihrem Ehemann Fürst Karenin und ihrem Geliebten Graf Wronskij darunter leidet.

Im Gegensatz zur opulenten Neuverfilmung des Stoffs aus dem Jahr 2012 mit Keira Knightley in der Titelrolle setzt die Inszenierung von Ingo Pfeiffer auf ein minimalistisches, ganz in Weiß gehaltenes Bühnenbild und sehr schlicht gehaltene, fast schon modern anmutende Kostüme.

Gerade dadurch wird der Blick hinter die Fassade russischer Adelskreise im Moskau oder St. Petersburg des ausgehenden 19. Jahrhunderts mit ihren überholten, teilweise vordergründigen Vorstellungen von Ehre und Moral um so klarer.

Ausdrucksstarke Anna

In der Titelrolle glänzte eine ausdrucksstarke Silvia Stegner. Mehr als überzeugend verstand sie es, die innere Zerrissenheit, Leidenschaft und tiefe, mit Wahnvorstellungen einhergehende Verzweiflung der Protagonistin, die schließlich im Selbstmord kulminiert, zu verkörpern.

Auch Johannes Aichinger gelang es, die Wandlung Wronskijs vom leichtlebigen und charmanten, Liebesabenteuern nicht abgeneigten Offizier zum wahrhaft Liebenden, der letztendlich an der Verzweiflung seiner Geliebten selbst zerbricht, sehr überzeugend auf die Bühne zu bringen.

Marc Marchand in der Rolle des Alexej Karenin wirkte weniger wie der kalte, hochrangige Beamte aus Tolstois Roman, sondern kam eher etwas unbeholfen daher, was vielleicht auch an der Kostümierung mit Cordhose und Strickweste gelegen haben mag.

Georg Schmiechen als Annas Bruder Stiwa und Susanne Pfeiffer als seine Frau Dolly und mit einem grandiosen Kurzauftritt als Gräfin Wronskaja boten eine mehr als solide Leistung.

Theatersaison fast beendet

Alles in allem ein toller Theaterabend, mit dem die Theatersaison in Eiterfeld auch schon fast beendet ist. Am Montag, 27. April, steht noch einmal das Fränkische Theater Schloss Maßbach, diesmal mit dem Jugendstück „Tschick“, auf der Bühne des Bürgerhauses, bevor es dann in die Sommerpause geht.

Von Thomas Landsiedel

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