Stoppeler Theatergruppe präsentierte „Die Bremer Stadtmusikanten“ in der Burgruine

Tierisch komisch

Tolle Kostüme und komödiantisches Talent: Die Stoppeler Theatergruppe brachte in diesem Jahr „Die Bremer Stadtmusikanten“ auf die Bühne in der Burgruine Hauneck. Fotos: Jeuthner

Oberstoppel. Ein Esel, den das Zipperlein plagt, ein Hund, dessen Geruchssinn verloren ging und der daraufhin jetzt das eigene Frauchen beißt, eine Katze, die fast blind ist und nicht einmal mehr die Maus auf dem Küchentisch entdeckt, und ein Hahn, der seinen üblichen Verpflichtungen im Hühnerhof nicht mehr nachkommen kann: Ihnen allen droht das gleiche Schicksal. Sie sind zu nichts mehr nütze und sollen geschlachtet werden. Um dem zu entfliehen, tun sie sich zusammen und laufen einfach weg, denn – darin sind sie sich einig – etwas Besseres als den Tod finden sie allemal.

Ihre Begegnung mit einer recht chaotischen Räuberbande, die zuvor das Kräuterweib Kathi und den Waldwichtel Wurzel aus deren Haus vertrieben hatte, zeigt ihnen endlich, dass sie gemeinsam stark sind und nichts zu fürchten haben. Sie vertreiben die Räuber (die geloben, fortan nun doch anständig zu werden und sich einen Job beim Finanzamt zu suchen; das sei von ihrer bisherigen Tätigkeit nicht so ganz weit entfernt…) und machen sich dann auf nach Bremen, um dort Stadtmusikanten zu werden.

Grimms Märchen auf Art der Stoppeler Theatergruppe in einer Bearbeitung von Lothar Neumann: Hier präsentierte sich einmal mehr komödiantisches Talent auf der ganzen Linie. Die einzelnen Charaktere waren absolut treffend besetzt. Sophia Brehm als Kräuterweib Kathi ebenso wie Markus Fippl als Esel Eberhard oder Ines Rathke als Katze Karlotta. Wurzel (umwerfend komisch: Dagmar Hubenthal), gehandicapt durch eine leichte Fehldisposition im Sprachzentrum und deswegen statt ‚g’ und ‚k’ ‚d’ sprechend, zeigte mit seinem Standardspruch „Ach du drünes Dräuterdärtchen!“ Erstaunen, Erschrecken und viele andere Gemütsbewegungen und ließ damit Kräuterweib „Dathi“ (hervorragend: Sophia Brehm) schier verzweifeln. In ihrer grenzenlosen Güte und Geduld nahm sie sich seiner aber immer wieder liebevoll an.

Ständig die Zuschauer in ihr Spiel einbeziehend entwickelte sich auf der Bühne und im Burghof unter viel Applaus ein Riesenspaß für Jung und Alt. Textsicher, fröhlich und sich in ihren Leistungen immer wieder steigernd erweckte die Theatergruppe Stoppel das alte Gemäuer zu neuem Leben. „So voll besetzt waren wir noch nie“, erklärte Uwe Gippert, einer der Verantwortlichen und Moderator der Stoppeler Theatergruppe. Über 300 Zuschauer waren gekommen, um das neueste Bühnenstück in der romantischen Kulisse der Burgruine zu sehen. Zum Ende der Pause war alles Essbare aufgegessen, lediglich zu trinken gab es noch.

Selbst das Vorprogramm gab sich überaus anspruchsvoll. Mit einer phantastischen immerhin halbstündigen Probe seines Könnens hatte der Wehrdaer Gospelchor „Sisters in Aktion“ unter der Leitung von Elena Töws zu Beginn des Abends das Publikum begeistert. Mit Titeln wie „We Are The World“ und „Oh Happy Day“ mit Solistin Ursula Wichmann war das ein stimmungsvoller Auftakt zu einem ganz besonderen Theatererlebnis.

Von Elfriede Jeuthner

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