Pfarrerin Merle Blum mit Gottesdienst auf dem Kirchplatz in Wehrda feierlich eingeführt

Auf der Suche nach Gottes Spuren

Hella Döring (Kirchenvorstand), Pfarrer Wolfgang Echtermeyer und Pfarrer Thomas Funk (von links) verpflichteten die neue Pfarrerin für Rhina und Wehrda, Merle Blum (kleines Foto). Foto: Jeuthner

Wehrda. Alles hatte feierlich und festlich begonnen: Mit einem Gottesdienst unter den Linden auf dem Kirchplatz wurde Merle Blum am Sonntag offiziell in ihr Amt als Pfarrerin für die evangelische Kirchengemeinde Wehrda - Rhina eingeführt. Viele Menschen waren gekommen, um unter strahlend blauem Himmel ihre neue Seelsorgerin zu begrüßen, darunter auch die Mitglieder der Gehörlosen-Gemeinden Fulda und Hanau, die Merle Blum seit über neun Jahren betreut hatte. Sie mussten sich an diesem Tag von ihr verabschieden, denn Merle Blum wird sich künftig gemeinsam mit ihrem Ehemann um die Menschen in Wehrda und Rhina kümmern.

Die neue Pfarrerin hatte eben ihre erste Predigt begonnen, als aus der Kirche direkt hinter ihr heftiges Getöse und lautes Schimpfen ertönte. Ein Mensch im Blaumann mit Eimer und Besen bewaffnet stürmte durch die Tür und beklagte lautstark die Spuren in der Kirche, die seiner Meinung nach jemand mit unvorstellbar schmutzigen Schuhen hinterlassen haben musste. „Und was machen Sie hier?“, fragte er die scheinbar mühsam um Fassung ringende Pfarrerin. „Ich predige gerade und erzähle den Menschen hier von den Spuren, die Gott im Leben der Menschen hinterlassen hat!“, antwortete sie.

Zwischen den beiden entwickelte sich ein Disput um Spuren im Allgemeinen und Spuren im Besonderen. „Wunder und Spuren, das war doch alles anno dunnemal“, meinte Herr Baumann und wurde umgehend von der neuen Seelsorgerin belehrt. Es gebe sie, er solle nur einmal nicht so sehr auf seine „Spuren“ achten, sondern die Augen öffnen für die Dinge um sich herum. Kurzerhand drückte ihr daraufhin der Mann im Blaumann Eimer und Besen in die Hand und meinte, er wolle dann mal weiter nach Gottes Spuren suchen, sie solle sich derweil um die Sauerei in der Kirche kümmern. Es war – bei aller Feierlichkeit – ein fröhlicher Einstand, den das Pfarrer-Ehepaar hier brachte. Denn Herr Baumann war natürlich niemand anderer als Pfarrer Steffen Blum, der Ehemann Merle Blums.

„Es fällt uns schwer, Sie gehen zu lassen“, sagte Pfarrerin Nicola Haupt, Referentin für Sonderseelsorge von der Evangelischen Kirche Kurhessen Waldeck zu Beginn der Feier. Haupt dankte Blum für deren Einsatz und versicherte, dass man im Herzen verbunden bleibe.

Pfarrer Wolfgang Echtermeyer, der in Vertretung des Dekans Bengt Seeberg gekommen war, verlas die Bestellungsurkunde, und nahm gemeinsam mit Pfarrer Thomas Funk aus der Nachbargemeinde und Hella Döring für den Kirchenvorstand die Verpflichtung vor. Viele Glückwünsche schlossen sich an, Bürgermeister Stefan Euler wünschte sich eine gute Zusammenarbeit zwischen der politischen und der Kirchengemeinde und betonte, dass für beide wohl der Mensch im Mittelpunkt stehe.

Von Elfriede Jeuthner

Kommentare