250 Dinge (176): Der jüdische Friedhof von Rhina

Stätte des Friedens

Schlichte graue Grabsteine in einem weglosen Gelände: Der jüdische Friedhof von Rhina wurde fast hundert Jahre lang genutzt, bis die Nationalsozialisten dem jüdischen Leben in Rhina ein Ende setzten. Foto:  Jeuthner

Rhina. Versteckt hinter einer Hecke mit einem Tor, das üblicherweise verschlossenen ist, befindet sich der jüdische Friedhof von Rhina. Hier empfängt den Besucher absolute Stille. Friedlich ist es hier und doch – die Schatten der schrecklichen Geschehnisse aus dem letzten Krieg sind da, lauern hinter jedem Stein, erschreckend und mahnend. Eine schlichte Gedenktafel im Eingangsbereich erinnert an die Menschen, die aufgrund ihres Glaubens Opfer des Nationalsozialismus wurden. In weglosem Gelände nüchterne Grabstätten, einer jüdischen Tradition folgend schmucklose graue Steine, die – sich selbst überlassen – die Vergänglichkeit aller Dinge bekunden.

276 Grabstätten mit Inschriften, die je nach Zeitraum in unterschiedlicher Schrift und Sprache abgefasst sind, in hebräisch, in deutsch oder in beiden Sprachen. Daneben besondere Zeichen: Segnende Hände, die Levitenkanne oder der Davidstern.

Die erste Beisetzung 1838 fand hier statt, fast genau 100 Jahren später die letzte. Die Gründe dafür sind bekannt. Ganz sicher war eine weitere Nutzung der Anlage geplant, die vielen Freiflächen lassen darauf schließen.

Auf der Rückseite eines Grabsteins schließlich auch die Namen der Angehörigen, die in Konzentrationslagern ums Leben kamen.

Er scheint völlig unberührt, dieser Friedhof. Und doch: Steinchen, die auf den Grabsteinen liegen, weisen auf Besucher hin. Menschen, die, je nachdem, wohin es sie während der Schreckensherrschaft des Naziregimes verschlagen hatte, meist von weit herkommen, um die letzten Ruhestätten ihrer Vorfahren aufzusuchen, und damit entsprechend einer antiken Bestattungskultur ihre Verbundenheit dokumentieren.

Heute ist er eine Stätte des Friedens – der jüdische Friedhof von Rhina.

Von Elfriede Jeuthner

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