Weihnachtsrevue der Feen in Absinth mit „Herrengedeck“ in der Kulturscheune Wehrda

Sing und swing mit Bing

Feiern fröhlich Weihnachten: Die Feen Rita (Nicole Wellbrock) und Renée (Stephanie Peters) sowie das „Herrengedeck“ Lukas (Mathias Mainholz) und Johannes (Stefan Waldow). Foto: Jeuthner

Wehrda. Sie treffen sich heimlich, versteckt hinter dichten Vorhängen und passwortgeschützt, die Feen Rita (Nicole Wellbrock) und Renée (Stephanie Peters) sowie das „Herrengedeck“ Lukas (Mathias Mainholz) und Johannes (Stefan Waldow). Alle vier haben sich vorgenommen, einmal in der Woche aus dem alljährlichen Konsum-Weihnachtswahnsinn auszusteigen und in ihrem „Weihnachtsclub“ zu tun, was sich sonst keiner mehr traut: Sie wollen im Kitsch schwelgen und all das tun, was man üblicherweise eben nicht mehr tut.

Bäume leuchtend ...

Um ganz sicher zu gehen, dass niemand ihre Kreise stört, wird, wenn es an der Tür klingelt, eine Parole abgefragt: „Bäume leuchtend, Bäume blendend, überall das Süße spendend“. Auf Ritas Frage, wer sich denn um Himmels willen so etwas Idiotisches ausgedacht habe, reagiert Renée empfindlich – sie hat diese Losungsworte ausgesucht – und sagt: „Goethe!“. Kommt dann von draußen die richtige Antwort: „In dem Glanze sich bewegend, Alt und junges Herz erregend“, sind sich die Anwesenden sicher, dass es sich um ein Mitglied ihres Clubs handelt, das da Einlass begehrt.

Lametta bügeln

Und so treffen sie sich, um umweltschädliches Lametta zu bügeln, Punsch zu trinken, Gartmann-Tannenbaumkränze zu naschen und in romantischen Erinnerungen zu schwelgen. Als Johannes auf dem Dachboden eine alte Schallplatte von Bing Crosby findet, hat der Weihnachtsklub ein neues Ziel: Die Platte muss nachgesungen, nachempfunden und nachgetanzt werden! Fortan wird alle Energie auf die Umsetzung dieses Vorhabens verwendet. Das geht naturgemäß nicht ohne Streit ab, denn jeder möchte einmal Bing sein. Heute sollte es Johannes sein, „außer wenn wir die Andrew-Sisters sind, dann ist er eine Sister.“

Bei all ihrer Freude schleichen sich bei allen vieren immer wieder Bedenken ein. Sorge bereitet ihnen die eventuelle „Außenwirkung“. Was würden ihre „normalen“ Freunde sagen, bekämen sie mit, was hier vor sich geht? Und das kalte Grausen packt alle vier, wenn sie an die bevorstehenden Feiertage im Kreise ihrer Lieben und die daraus resultierenden „normalen“ Verpflichtungen denken.

Das gut aufgelegte Publikum in der vollbesetzten Kulturscheune – von den Akteuren auf der Bühne eingebunden in deren beschwingt dargestellten Versuch, dem üblichen Weihnachtswahn zu entfliehen – amüsierte sich köstlich und quittierte die absolut gekonnten Interpretationen der Weihnachtslieder Bing Crosbys immer wieder mit anhaltendem Applaus. Zur Belohnung wurden Gartmann-Kringel (nicht die weißen, die sollen an Ritas Baum!) herumgereicht und mit den verteilten „Frohlöckchen“ gemeinsam frohlockt.

Dass sich gegen Ende der gelungenen Vorstellung herausstellte, dass es auch noch andere gibt, die ebenso denken wie die Mitglieder des Weihnachtsclubs, war zumindest dem Publikum längst kl.ar.

Von Elfriede Jeuthner

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