Lothar Sabo ist Bibern an der Haune auf der Spur – sie fällen ganze Bäume

Seltene Vegetarier

Für das Vorkommen der Nagetiere gibt es eindeutige Anzeichen: Lothar Sabo zeigt eine Biberrutsche an der Haune in Neukirchen in der Nähe der Haunebrücke. Dort kommt das Tier aus dem Wasser, um sich an Obstbäumen zu laben – und rutscht auf dem Bauch wieder ins Wasser hinunter. Das kleine Bild zeigt einen von einem Biber abgenagten Baum in Neukirchen. Fotos: Maaz/Sabo/nh

Haunetal. Die Tiere selbst sieht man nur mit ganz viel Glück, ihre Spuren aber sind offensichtlich: an der Haune im Bereich Neukirchen und Hermannspiegel sind schon seit einigen Jahren Biber aktiv. Dabei war der Biber in Hessen, wie im Rest Deutschlands, fast schon ausgestorben.

Nachgewiesen hat die artengeschützten Tiere der Neukirchener Lothar Sabo, der seine „offiziellen“ Beobachtungen an den Landkreis und das Regierungspräsidium weitergibt, das inzwischen sogenannte Biberreviere ausgewiesen hat. „Der erste Nachweis gelang im April 2012“, erinnert sich Sabo. Den ersten Sichtkontakt habe es aber schon am 27. Dezember 2011 gegeben, weiß der 71-Jährige noch ganz genau. Sogar ein Foto gelang Sabo, der seit über 40 Jahren beim Naturschutzbund (Nabu) Bad Hersfeld aktiv ist und auch als passionierter Wanderer gerne in der Natur unterwegs ist. „Der Biber ist blind wie ein Grubenpferd, aber sehr wachsam“, berichtet Sabo über seine Begegnung mit dem Tier, das bei jedem Geräusch ganz schnell abgetaucht wäre.

Burgen entdeckt

In Hermannspiegel und in Neukirchen gibt es Biberbauten – auch Burgen genannt. Die Bauten sind mit Ästen „dekoriert“ und bieten Schutz vor natürlich Feinden. Ihr Eingang befindet sich unter Wasser, der Rest des Baus ist aber trocken. Auf das Vorkommen der Tiere – sehr wahrscheinlich sind es zwei – weisen zudem abgenagte Baumstämme, Äste, Fußspuren, Pfade und typische Biberrutschen hin. Sabo hat alles in Wort und Bild festgehalten.

„Ich habe mich in den vergangenen zwei Jahren intensiv mit dem Biber beschäftigt“, sagt der Ruheständler, der über Kontakt zum Forstamt eher zufällig zu seinem „Beobachterjob“ gekommen ist. „Ende der 80er-Jahre gab es im Spessart ein Wiederansiedlungsprojekt“, weiß Sabo. „Und nachdem seit einigen Jahren Biber im Fuldatal nachgewiesen wurden, begann er flussaufwärts von der Haunemündung in Bad Hersfeld neue Reviere an der Haune zu besetzen.“ Biber sind nachtaktive Tiere, die sich rein vegetarisch ernähren – zum Beispiel von Baumrinden und Obst.

Biber wiegt 30 Kilogramm

Ganz Bäume können die um die 30 Kilogramm schweren Tiere mit ihren Zähnen fällen, und das haben sie auch in Haunetal schon getan. So gelangen sie an die sonst unerreichbaren Äste, die ihnen als Futter für die Winterzeit dienen. Mit dem Fällen beginnen die Biber in der Regel im Herbst. Über das Wiedervorkommen der Tiere ist indes nicht jeder erfreut. Da Biber in Ufernähe Gänge zu ihren Bauten anlegen, drohen auf den angrenzenden Flächen arbeitende Landwirte „einzubrechen“. Ins Wasser gestürzte Bäume beeinträchtigen die Fließgeschwindigkeit.

So sehr Sabo an den Tieren interessiert ist, im Sinne des Naturschutzes gewährt er ihnen eine gewisse Privatsphäre. Des Nachts auf die Lauer legen wird er sich deshalb wohl eher nicht. Aber mit ein bisschen Glück schwimmt ihm wieder mal ein Tier vor die Linse.

Von Nadine Maaz

Kommentare