Verunsicherte Bürger informieren sich über die gesplittete Abwassergebühr für Eiterfeld

Selbstauskunft per Post

Um die 70 Bürger waren zur ersten Infoveranstaltung rund um die Einführung der gesplitteten Abwassegebühr ins Bürgerhaus Eiterfeld gekommen. Links Bürgermeister Hermann-Josef Scheich, daneben Referent Lars Müller von der GKU. Foto: Maaz

Eiterfeld. Um die 70 zum Teil verunsicherte und kritische Bürger haben sich am Montagabend im Bürgerhaus Eiterfeld über die gesplittete Abwassergebühr informiert, die ab 1. Januar 2015 in der Marktgemeinde gelten soll (wir berichteten). Vor allem diejenigen mit großen Grundstücken und viel versiegelter Fläche fürchten, in Zukunft mehr bezahlen zu müssen.

„Auch die Begeisterung der Kommunalpolitiker hält sich in Grenzen“, sagte Bürgermeister Hermann-Josef Scheich, „aber wir kommen nicht drumherum.“ Mit der Einführung der gesplitteten Gebühr setzt die Gemeinde ein Urteil des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs von 2009 um, das den bisher geltenden Frischwassermaßstab für unzulässig erklärt. 15 Kommunen im Landkreis Fulda hätten das Urteil bereits umgesetzt, in anderen Bundesländern gelte die gesplittete Abwassergebühr sogar schon seit 2005.

Die Gesamtkosten für die Abwasserbeseitigung setzen sich künftig aus variablen Kosten für das Schmutz- und das Niederschlagswasser sowie aus fixen Kosten für das Schmutz- und Niederschlagswasser zusammen. Grundlage für die variablen Kosten sind der Frischwasserverbrauch und die versiegelten Flächen eines Grundstücks. Mit der Grundgebühr sollen die der Kommune entstehenden Fixkosten für die Kanäle gedeckt werden.

Über die rechtlichen Grundlagen, den Verfahrensablauf, die Flächenermittlung, die Versiegelungsarten und die Möglichkeiten der Flächenreduktion informierte am Montag Lars Müller von der Gesellschaft für kommunale Umwelttechnik (GKU), einer Tochter der Rhön Energie (vormals ÜWAG), die von der Marktgemeinde mit der Erfassung der Flächen und der Gebührenkalkulation beauftragt worden ist.

Per Flugzeug hat die GKU die Gemeinde überfliegen lassen und mit Hilfe der Luftbilder alle Grundstücke, sprich: Flächen, erfasst. Die Bürger bekommen nun demnächst Selbstauskunftsbögen zugeschickt, die sie ausfüllen müssen und auf denen sie, wenn abweichend, die tatsächlichen individuellen, versiegelten Flächen angeben können. Zur Flächenreduzierung und damit Gebührenersparnis führen zum Beispiel Porenpflaster, Gründächer oder Zisternen. Unerheblich ist, ob das Wasser vom Grundstück in ein Trenn- oder Mischsystem eingeleitet wird.

„Wer schummelt, schadet dem Nachbarn“, wies Müller auf die noch ausstehende Gebührenkalkulation hin. Er warnte zudem vor unbedachten Aktionen, um versiegelte Flächen einzusparen. „Das könnte am Ende viel teurer werden als die Gebühr.“

Konkrete Zahlen zur Höhe der Kosten gibt es noch nicht, da die Gebührenkalkulation erst dann erfolgt, wenn alle Flächen erfasst und bekannt sind. Die Gebührensatzung soll laut Bürgermeister Scheich aber spätestens Ende dieses Jahres in der Gemeindevertretung beschlossen werden.

Nach gut anderthalb Stunden waren die meisten Fragen geklärt. „Es wird ja viel erzählt, aber so schlimm wird es wohl doch nicht“, meinte ein Leimbacher. Hermann-Josef Scheich hatte den Infoabend zuvor mit den Worten geschlossen: „Hoffentlich gibt es mehr Gewinner als Verlierer.“ Hintergrund

Von Nadine Maaz

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