Stoppeler Theatergruppe präsentierte „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ auf der Burgruine Hauneck

Schrille Eule und schwedischer Elch

Geschafft: Für seine Leistung erntete das Ensemble reichlich Zwischen- und Schlussapplaus sowie stehende Ovationen. Fotos: Jeuthner

Oberstoppel. Das alte Gemäuer mag sich gewundert haben, denn so viele Menschen wie noch nie hatten sich aufgemacht, um die neueste Märchenaufführung der Stoppeler Theatergruppe zu sehen. Man rückte zusammen, trotzdem reichte die Bestuhlung für die fast 400 Besucher längst nicht aus. Zusätzliche Bänke wurden herbei geholt und wer keinen Sitzplatz mehr bekam, der ließ sich einfach auf Mauerabsätzen und Vorsprüngen nieder.

Es stimmte eben alles. Das Wetter war überirdisch schön, heiß zwar, aber das auf der Burg obligate Windchen sorgte für angenehm kühlende Brisen. Und wieder gaben sie alles, die Stoppeler. Mit ihrem „Schneewittchen“ in der Fassung von Lothar Neumann hatten sie einmal mehr ins Schwarze und damit den Nerv ihrer Fans getroffen. Kaum ein Satz, der von den gutgelaunten Gästen nicht beklatscht wurde, kaum eine Szene, die nicht für schallendes Gelächter im Publikum gesorgt hätte.

Für einen Aufschrei der Begeisterung sorgte die Eule Esmeralda (Thomas Schmidt). Das – wie sich später herausstellte – verräterische Federvieh hatte bei jedem seiner Auftritte die Lacher auf seiner Seite.

Die Handlung des Märchens ist hinlänglich bekannt. Die liebreizende Maid Schneewittchen (Ines Rathke) wird von der Stiefmutter (Dagmar Hubenthal) gehasst und soll vom Jäger (und Prinz: Alexander Huff) um die Ecke gebracht werden. Den wiederum treibt sein Gewissen zur Befehlsverweigerung, er lässt die Prinzessin am Leben. Indes sorgen die Freunde des Mädchens Wilhelmine Waschbär (Tanja Rathke) und die sieben Zwerge dafür, dass Prinz und Prinzessin zueinander finden. Dabei werden sie unterstützt von dem schwedischen Elch Lasse Bleiben (herrlich komisch: Fabian Reul), der sich bei seiner Ankunft im Schloss verspätet hatte, weil „bei die Dorf Odensachsen ish falsch abgebogen bin und mir verlauft habe.“ Hinreißend auch die Amme Melusine (Birgit Gutberlet), die sich zum wiederholten Male mit einem Tüchlein die in strenge Falten gelegte Stirn betupft und beklagt, dass keiner mal an ihre armen Nerven denkt. Ebenso die böse Königin, die immer wieder ihr Orakel nach der Schönsten im Land befragt, sich schließlich mit der unerwarteten Antwort auseinandersetzen muss und mit erstaunlich garstigem Organ die Vernichtung ihrer ungeliebten Stieftochter ankündigt.

Soviel Hingabe und Talent, auch durchaus komisches, das kennen die Anhänger der Stoppeler Theatergruppe und lohnten es den Akteuren auch diesmal mit stehenden Ovationen und – ihrer Treue.

Auch das Vorprogramm gab sich anspruchsvoll. Die „Burghaun Castle Pipes & Drums“ verursachten mit ihren stimmungsvollen Musikstücken bei dem einen oder anderen Zuschauer trotz der Hitze Gänsehaut.

Von Elfriede Jeuthner

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