Wolfgang Korschan hat die Immobilie ersteigert - Bahn ist jetzt Mieter

Bahnhofsgebäude Neukirchen: Ein Schloss an den Gleisen

Eigentlich ein Schmuckstück, aber arg sanierungsbedürftig: Das Bahnhofsgebäude in Neukirchen. Wolfgang Korschan hat es bei einer Auktion ersteigert. Die Zukunft der Immobilie ist noch ungewiss. Fotos: Maaz

Neukirchen. Wolfgang Korschan hat einen Spleen, wie er selbst sagt: Er interessiert sich für alte Bahnhofsgebäude und besitzt gleich mehrere davon. Auch das Bahnhofsgebäude in Neukirchen zählt seit kurzem dazu. Konkrete Pläne, was mit dem Objekt passieren soll, hat der pensionierte Lehrer, der in Schwalmstadt lebt, allerdings noch nicht.

Vor allem die wohl 1995 zuletzt genutzte Wohnung im Obergeschoss des Gebäudes, das laut Korschans Unterlagen circa 1860 gebaut wurde, ist arg sanierungsbedürftig. Die Tapete fällt von den Wänden, Spinnenweben „zieren“ neben vergilbten Kinderzeichnungen die Wände. Die Decke ist löchrig, der Boden marode. „Der Zustand der Wohnung hat mich doch erschreckt“, gibt Korschan zu. So etwas habe er auch noch nicht gesehen.

Auf das Objekt im Angebot der Deutschen Bahn AG DB Immobilien ist er in einem Auktionskatalog aufmerksam geworden. „Das Gebäude hat mir rein optisch einfach gefallen“, sagt Korschan, der das Objekt nur vom Vorbeifahren kannte, als er es Ende Juni per Telefon für fast 20 000 Euro ersteigerte. Die Marktgemeinde Haunetal hatte auf ihr Vorkaufsrecht verzichtet. „Schlösschen an den Gleisen“ nennt Korschan die „architektonisch tollen“ Bahnhofsgebäude wie das in Neukirchen. „Die Bahn stößt viele solcher Objekte ab und nutzt sie dann zum Teil als Mieter weiter“, weiß Korschan.

War lange unbewohnt: Wolfgang Korschan in der renovierungsbedürftigen Wohnung im Obergeschoss des Bahnhofsgebäudes. Die Bahn bleibt vorerst Mieter in dem Objekt, das Bild rechts zeigt den Bereich, wo der Fahrdienstleiter sitzt.

Auch in Neukirchen ist die Bahn jetzt Mieter des Erdgeschosses inklusive der Wartehalle – zumindest für die nächsten vier Jahre noch. Denn noch sitzt dort der Fahrdienstleiter. Mitte 2018 jedoch soll ein neues elektronisches Stellwerk in Betrieb genommen werden, der Fahrdienstleiter in Neukirchen fällt damit weg. Die neue Technik soll laut einer Bahn-Sprecherin die Leistungsfähigkeit der Strecke Burghaun-Bad Hersfeld sichern und dazu beitragen, die betrieblichen Abläufe sowie die Zugfolge zu optimieren. „In den kommenden vier Jahren muss also eine Lösung gefunden werden“, sagt Korschan noch etwas ratlos.

Dass der Wartesaal seit dem Verkauf geschlossen ist, dürfte manchem Bahnfahrer sauer aufstoßen. Als Grund nennt Korschan noch ungeklärte Fragen der Reinigung und der Versicherung. Auch offene Fragen zur Nutzung der Parkplätze und zum Winterdienst sind noch nicht abschließend geklärt. Denn mit dem Erwerb der Immobilie hat Korschan auch das Grundstück erworben.

„Vielleicht findet sich ja ein Bahnhofsliebhaber oder ein passionierter Handwerker, der sich gegen entsprechendes Entgegenkommen bei der Miete für die Wohnung interessiert“, hofft Korschan, der nun erstmal die Lage sondieren und die Sanierungskosten schätzen lassen muss. Auch eine gewerbliche oder kulturelle Nutzung des „Schlösschens“ kann er sich vorstellen.

Von Nadine Maaz

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