Aus der Bio-Wolle von Jürgen Beyer aus Soisdorf entstehen Mäntel und Jacken

Schickes vom Rhönschaf

Knapp 1000 Schafe blöken im Soisdorfer Stall.

Soisdorf. Aus der Bio-Wolle der Rhönschafe von Jürgen Beyer aus Soisdorf werden seit kurzem Lodenmäntel und -jacken hergestellt. Sogar auf der Fashion Week in Berlin haben die feinen Zwirne schon für Aufsehen gesorgt. Verkauft wird die Kleidung vom Schlüchterner Unternehmer Matthias Hebeler, von dessen Philosophie auch Landrat Bernd Woide (CDU) bei seinem Besuch in der Schäferei hellauf begeistert war.

Es kann schon mal laut werden im Soisdorfer Schafstall, wenn knapp 1000 Schafe zu blöken beginnen. Es sind aber genau jene Momente, wenn Muttertiere und Lämmer vergnügt umherhüpfen und süße Neugeborene miteinander im Stroh kuscheln, in denen sich Jürgen Beyer (60) und Ehefrau Gabriele (54), die jeder nur „Biene“ nennt, am wohlsten fühlen. 1979 hatte der gelernte Landwirt sein erstes Schaf gekauft. Viele weitere Tiere kamen im Laufe der Jahre hinzu. Auch wenn die Arbeit viel ist und für doppelt so viele Mitarbeiter reichen würde – ein anderes Leben kann sich das Schäfer-Ehepaar kaum vorstellen.

Jetzt hat sich eine neue Geschäftsbeziehung ergeben: Matthias Hebeler, Inhaber der Fuldaer Firma Brainshirt, ist durch Gespräche mit Landrat Bernd Woide auf die Soisdorfer Schäferei aufmerksam geworden. Bisher bot der Unternehmer aus Schlüchtern Herrenmode an, für die laut eigener Aussage reine, organische Baumwolle aus Amerika verwendet und fair sowie ökologisch verarbeitet wird. Doch Hebeler will sein Geschäft weiter ausbauen und stellte sich zwei Fragen: Wie kann man Bekleidung in nationaler Produktion herstellen, ohne zum Beispiel Näherinnen in Bangladesch beschäftigen zu müssen? Und: Was überhaupt kann man mit Wolle von heimischen Schafen anstellen? Denn viele Schäfer werfen diese nach der Schur weg, häufig wird sie auch für Drainagesysteme für Straßen genutzt.

Matthias Hebeler schickt die Wolle nun auf einen 950 Kilometer langen Lieferweg: In Brandenburg wird sie gewaschen, gekämmt und gesponnen; in der Oberpfalz gewebt und gewalkt und im Odenwald schließlich zu Mänteln und Jacken genäht. „Die Kürze dieses Wegs ist wahrscheinlich einmalig in Deutschland“, schätzt der Unternehmer. „Wir hoffen, dass wir durch die Verbindung mit Herrn Hebeler kostendeckend scheren können“, erklärt Jürgen Beyer. Die Vollschur von rund 600 Schafen in Soisdorf findet meist im Januar statt und ist nicht nur teuer, sondern auch ziemlich aufwändig.

Landrat Bernd Woide hat dem Soisdorfer Stall jüngst einen Besuch abgestattet, um sich ein Bild zu machen von den vielen Tieren. Er lobt die Philosophie von Brainshirt und die neue Verbindung zur Schäferei: „Die Idee einer regionalen Wertschöpfungskette ist spannend.“

Das Besondere an Hebelers Mänteln ist, dass die Stoffe nicht gefärbt werden. Die Wolle der schwarzen, maximal einjährigen Schafe wird nach der Verarbeitung dunkelbraun, die der älteren Tiere grau, und die Wolle der Coburger Fuchsschafe rötlich. Weil Rhönschafwolle jedoch eher grob ist, wird den Mänteln und Jacken auch andere Wolle zugegeben. „Damit können sogar Frauen die Kleidung tragen“, beteuert Hebeler. Da muss Gabriele Beyer lachen: „Die ist doch ganz weich“, erklärt sie stolz.

Von Sabrina Mehler

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