Betzenroder freuen sich über den Ausbau

Plötzlich ist Ruhe im Ort

Betzenrod. Der „Rumpelacker“ ist Geschichte: Gerade wird als zweiter Schritt zur Sanierung der L 3171 die Ortsdurchfahrt Betzenrods überholt. Was denken die Anwohner, die sich jahrelang über die schlechte Straße ärgern mussten, über diese Maßnahmen?

Willi Lohfink wohnt am Ortsausgang von Betzenrod. „Gegen die Sanierung hat eigentlich keiner was“, sagt er. Dieser Schritt sei inzwischen aber auch dringend notwendig gewesen. Das letzte Mal, dass dort etwas geschah, sei 1959 oder 1960 gewesen, erinnert sich der 65-Jährige. Besonders froh ist er über die ungewohnte Ruhe – weckte ihn sonst bei geöffnetem Fenster um 5 Uhr morgens der Straßenverkehr, kann er jetzt bis 10 Uhr schlafen.

Einen Wermutstropfen gibt es aber: „Die Sanierung müsste schneller gehen“ – immerhin müssen die Anwohner mitunter weite Umwege in Kauf nehmen. Laut Hessen Mobil Straßen- und Verkehrsmanagement werden die Bauarbeiten bis Ende September abgeschlossen sein. Das kann Lohfink sich beim langsamen Voranschreiten der Bauarbeiten allerdings nicht vorstellen.

Gert Oehrling ist Ortsvorsteher von Betzenrod und als Anwohner der Durchfahrtsstraße auch direkt von den Maßnahmen betroffen. Momentan genießt er durch den fehlenden Verkehr ebenfalls die Ruhe im Ort. Die Stimmung im Dorf hat Oehrling als positiv wahrgenommen: „Die Leute gehen geduldig und freundlich mit den Beeinträchtigungen um.“ Und er stellt in Aussicht: „Die neue Straße wird ruhiger werden.“ Immerhin werden die Lkw nicht mehr durch Schlaglöcher rumpeln.

Keine Verkehrsberuhigung

Eine Verkehrsberuhigung ist indes nicht vorgesehen: „Das Thema wird im Ort kontrovers diskutiert“, gibt der 49-Jährige an. Einerseits wünschten sich einige Anwohner, dass sich der Durchfahrtsverkehr mehr an die Geschwindigkeitsbegrenzungen halten würde. Andererseits wird befürchtet, dass das Stoppen und Anfahren eine weit größere Lärmbelästigung verursachen würde.

Geplant ist, an den Ortseingängen Bäume zu pflanzen, um laut Oehrling eine „Torwirkung“ zu erzielen, die bei den Autofahrern automatisch zu einer Drosselung der Geschwindigkeit führen soll. „Wir vertrauen auf den Symbolwert“, sagt der Ortsvorsteher.

Rita Vogt, die mit ihrem Mann Berthold einen landwirtschaftlichen Betrieb an der Ortsdurchfahrt führt, freut sich über die Sanierung. „Das war kein Zustand mehr, das war schlimmer als in Thüringen nach der Wende“, findet sie. Vogt hofft nun auf eine Verbesserung des Ortsbildes und mehr Ruhe durch die neue, ebene Straßendecke. Unsicher ist sie im Bezug auf die geplante Fahrbahnverengung vor ihrem Hof – dort wird die Straße zugunsten eines verbreiterten Bürgersteigs um 50 Zentimeter schmaler werden.

Zudem kann sie nicht nachvollziehen, warum die Arbeiten im Unterdorf, wo viele Landwirte ansässig sind, ausgerechnet in die Erntezeit verlegt wurden. Die Arbeiter müssen die Baggerarbeiten unterbrechen, um die Traktoren vorbeizulassen.

Von Viktoria Hahn

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