Kirchengemeinde Wehrda-Rhina kämpft mit Projekt um Erhalt der Pfarrstelle

Ein Pfarrhaus – und keiner drin

Mitglieder der „Kirchenretter“ zeigten in einer Spielszene, was passieren könnte, wenn das Pfarrhaus leer steht. Foto: Jeuthner

Wehrda. „Was ist eine Pfarrstelle wert?“ war die Frage, die Pfarrer Steffen Blum zu Beginn des Gottesdienstes und zum Start des Projektes „Erhalt der Pfarrstelle der Kirchengemeinde Wehrda-Rhina“ stellte. Eine Frage, über die – so Blum – keiner der Verantwortlichen gerne nachdenke.

Natürlich würde man gern jedem Dorf seinen eigenen Pfarrer, seine eigene renovierte Kirche und ein großes Gemeindehaus zugestehen. „Aber all das kostet Geld“ erklärte Blum. „Die Unterhaltung der Gebäude, aber eben auch die Personalkosten für die Angestellten“, und wenn das Geld knapp werde, folge sofort der Ruf nach Einsparungen.

Zehn Prozent einsparen

Das habe man in der zuständigen Landeskirche getan. Dabei habe man sogar ganz oben angefangen und die Anzahl der Dezernate im Landeskirchenamt erheblich reduziert. Man habe sich auch von Gebäuden getrennt, deren Betrieb unrentabel war. Als das immer noch nicht ausreichend war, habe man sich die Pfarrstellen vorgenommen. Rund zehn Prozent dieser Stellen müssten bis 2017 durch Fusionen mit anderen Gemeinden zusammengeschlossen oder ganz aufgegeben werden. „Auch unsere Pfarrstelle ist bedroht“, erklärte der Pfarrer, „aber es gibt neue Ideen.“

Eine davon habe der Patron der Evangelischen Kirchengemeine Wehrda-Rhina, Tim Freiherr von Campenhausen, vor einigen Jahren gehabt, mit dem Vorschlag, die fehlenden Einnahmen mit Spenden zu finanzieren. Ein völlig neues Modell, das zunächst viele Fragen aufwarf und auf das „die Landeskirche und der Bischof zunächst sehr skeptisch reagiert haben“.

Dieses Pilotprojekt läuft nun in dieser Kirchengemeinde an. Für die Kirchengemeinde Wehrda-Rhina geht es dabei um 15 000 Euro im Jahr, die aufzubringen wären. Das entspricht einer viertel Pfarrstelle, und vom Ergebnis hängt ab, ob ein solches Modell auch an anderer Stelle greifen kann. Pfarrer Blum absolviert seit März 2013 im Auftrag der Landeskirche eine Ausbildung im Bereich Fundraising beziehungsweise Pfarrstellensponsoring, damit der Versuch professionell begleitet und später fundiert analysiert werden kann.

Vordergründig gehe es aber eigentlich mehr um den ideellen Wert, den ein Pfarrer für ein Dorf habe. „Kirche im Dorf braucht ein Gesicht“ sei die erklärte Grundthese der „Kirchenretter“, und damit sei auch die gewünschte menschliche Beziehung zum Geistlichen vor Ort gemeint. „Es geht bei unserem Projekt nicht um uns“, erklärte der Geistliche, „sondern darum, dass die Menschen in Wehrda, Rhina, Schletzenrod und Wetzlos auch in Zukunft wissen, dass da jemand im Pfarrhaus wohnt, der sie kennt, der die Dörfer kennt und der das Leben mit all seinen Facetten von der Geburt bis zum Tod, von der Taufe bis zur Beerdigung mit ihnen teilt.“

Von Elfriede Jeuthner

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