Ursula Bayer aus Großentaft fand nach Krankheit den Weg in die Selbstständigkeit

Nochmal durchgestartet

Den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt: Ursula Bayer (links) bespricht sich mit Beraterin Petra Hüfner. Foto: Arbeitsagentur

Großentaft. Eine Anstellung in einer Führungsposition, Konkurrenzkampf und 60-Stunden-Wochen: diese Mixtur hatte Ursula Bayer aus Großentaft vor rund zwei Jahren psychisch und physisch an ihre Grenzen gebracht. Seit dem Frühjahr startet sie als selbstständige Designerin wieder durch – mit viel Mut, Engagement und einem Gründungszuschuss der Arbeitsagentur.

„Ich hatte mein Hörvermögen teilweise eingebüßt, konnte mich nicht mehr über einen längeren Zeitraum konzentrieren, saß tagelang nur da und schaute zum Fenster heraus“, erinnert sich die 57-Jährige an die schlimme Zeit. Zuvor war sie bei einem international agierenden Bekleidungshersteller für die Bereiche Einkauf, Verkauf und Design verantwortlich gewesen.

Krankheit und Kündigung

Mit der Krankheit kam die Kündigung. „Ich war arbeitslos, verzweifelt und auch voller Selbstzweifel“, erinnert sich Ursula Bayer, die in dieser Zeit regelmäßig lange Gespräche nicht nur mit ihrem Ehemann, sondern auch mit ihrer Integrationsberaterin Petra Hüfner führte. Sie schlug ihr den Weg in die Selbstständigkeit vor. Die gebürtige Rheinländerin brachte entscheidende Voraussetzungen mit, heißt es in der Pressemitteilung der Arbeitsagentur Fulda: Persönlichkeit, Motivation, Know-How und wichtige Kontakte aus ihrem früheren Leben als Angestellte. „Man muss rechnen können, viel Eigeninitiative an den Tag legen, sehr diszipliniert sein und immer am Ball bleiben“, erklärt die Arbeitsvermittlerin. Zudem war es für Ursula Bayer mit über 50 Jahren und in ihrem speziellen Beruf nahezu aussichtslos, anderweitig wieder am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

Ursula Bayer wollte nicht „irgendwo als Quereinsteigerin reingehen“, sondern sich auf das verlassen, was sie kann. Der Business-Plan war mit Hilfe eines Steuerberaters schnell erstellt, voraussichtliche Ausgaben und Einnahmen berechnet. Die Arbeitsagentur gewährte einen Gründungszuschuss, die Jung-Unternehmerin legte los, unter anderem als Leiterin eines Volkshochschulkurses „Modezeichnen für Anfänger“.

Vorausschauend hatte sie bereits während der Zeit ihrer Arbeitslosigkeit Stoffmessen besucht, um neue Kontakte zu knüpfen und alte Kontakte aufleben zu lassen. Mit Erfolg: Zu ihren Kunden gehören mittlerweile Bekleidungshersteller in ganz Deutschland, Österreich und Asien. In ihrem Zuhause im Eiterfelder Ortsteil entwirft die Designerin Kleidungsstücke – vor allem Sportswear- und Wolljacken, Mäntel und Blazer. Sie skizziert, sucht Stoffe aus, entscheidet über Details wie Knöpfe, Garne, Reißverschlüsse. Besprechungen finden vor Ort beim Kunden, via PC oder Telefon statt, oftmals auf Englisch.

Die stressige 60-Stunden-Woche ist zwar passé, ein strammes Pensum hat die Selbstständige dennoch zu absolvieren, um ihren Kunden gerecht zu werden, die von ihr eine schnelle und zuverlässige Dienstleistung innerhalb eines vorgegebenen Zeitraums erwarten.

Zufrieden ist Ursula Bayer aber auf jeden Fall trotzdem: „Ich teile mir die Arbeit anders ein, mache Pausen, wenn sie nötig sind und arbeite auch am Wochenende. Zur Entspannung schaue ich gerne Kochsendungen oder gehe in unseren Garten.“ (vic)

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