Inhaber Klinzing: Am Ende des Monats ist in Ufhausen und Großentaft Schluss

Nahkauf-Märkte schließen

Die Nahkauf-Märkte in Großentaft (Foto) sowie in Ufhausen schließen Ende des Monats. Foto: Sabrina Mehler

Grossentaft. Betroffenheit in Ufhausen und Großentaft: Die beiden Nahkauf-Märkte von Jochen Klinzing schließen Ende des Monats – aus wirtschaftlichen Gründen. Während einer Sitzung des Ortsbeirats haben sich Großentafter Bürger bereits Gedanken zur Zukunft des Dorfes gemacht.

Während einer Sitzung des Großentafter Ortsbeirats mit gut 50 Zuhörern stand ganz am Anfang die so schmerzhafte wie richtige Erkenntnis einer Bürgerin: „Schuld sind wir ja alle selbst. Wir haben da nicht genug eingekauft.“ Das bestätigt Inhaber Jochen Klinzing auf Anfrage unserer Zeitung: „Die Lage hat sich in den vergangenen Jahren gravierend verschlechtert.“

Hoher Strompreis

Zum einen seien die Strompreise kräftig gestiegen, das mache sich für ein Geschäft, in dem mehrere Tiefkühltruhen stehen, deutlich bemerkbar. Zum anderen aber – und das ist wohl der Hauptgrund für die Schließung – habe sich das Einkaufsverhalten der Kunden eklatant geändert. Der Konkurrenzdruck der Lebensmittelketten in den Städten ist groß. „Mittlerweile arbeite ich hier fast für umsonst“, sagt Klinzing. Deshalb gehen am Freitag, 28. November, im Ufhausener und im Großentafter Markt die Lichter aus.

Zu seinem Entschluss habe er sich erst „durchringen“ müssen, sagt der Laden-Inhaber. „Denn mir tun nun vor allem die älteren Leute leid.“ Großentaft und Ufhausen sind jeweils um die fünf Kilometer von den Lebensmittelmärkten in Eiterfeld entfernt – und damit für Menschen, die sich nicht (mehr) einfach hinters Steuer setzen können, kaum erreichbar.

Doch nicht nur wegen seiner Funktion als Lebensmittelversorger ist der Nahkauf an beiden Orten zur Institution geworden. Er ist auch eine Art „Kommunikationszentrum“, ein sozialer Treffpunkt, an dem Menschen sich begegnen, wie die Großentafter Ortsvorsteherin Christine Volkenand feststellte. Ohne Laden verliere der Ort seinen Dorfcharakter und die Menschen ein Stück an Lebensqualität. Zudem äußerte Volkenand eine Befürchtung: „Wenn erst mal eine Säule der Infrastruktur wegfällt, könnten andere folgen.“ Das kann der Bäcker sein und der Metzger, die Banken, die Gasthäuser, irgendwann die Schulen und Kindergärten. Deshalb hat der Ortsbeirat die Bürger eingeladen, um nach Lösungen zu suchen und die Entwicklung in ihrem Anfangsstadium zu stoppen.

Die Ideen der Großentafter waren vielfältig und reichten von einer Unterschriftenliste über Nachbarschaftshilfe und Fahrgemeinschaften bis zur Gründung eines Vereins, der selbst einen Lebensmittelladen betreibt.

Konzentration nimmt zu

Bedauern über das Ende der Märkte äußert auch Bürgermeister Hermann-Josef Scheich: „Die Konzentration auf wenige und große Märkte nimmt zu. Bereits seit Jahrzehnten gibt es einen gnadenlosen und ruinösen Wettbewerb.“ Ein von Bürgern getragener Dorfladen könne eine Lösung sein, wenn sich engagierte Bürger für diesen einsetzen – und Kunden den Laden auch in Anspruch nehmen.

Von Sabrina Mehler

Kommentare