Wochenendporträt: Edmund Hohmann ist seit über 50 Jahren beim Musikcorps

Mit 15 Märschen fing es an

Begeisterter Musiker: 21 Jahre lang war Edmund Hohmann Stabführer beim Musikcorps Ufhausen, heute bläst er die Posaune. Das Porträt im Hintergrund war ein Geschenk der Spielleute an ihren Ehrenstabführer und Ehrenvorsitzenden. Foto: Eisenberg

Ufhausen. Trotz zahlreicher Auslandsauftritte und obwohl sie seit den 1990er-Jahren regelmäßig auf der Gästeliste von Sport & Show stehen: Die Auftritte in der Waldhessenhalle sind für die Aktiven des Musikcorps der Freiwilligen Feuerwehr Ufhausen noch immer etwas Besonderes.

„Es ist schon ein Erlebnis, Artisten zu treffen, die man ein halbes Jahr später im Fernsehen sieht“, erzählt Edmund Hohmann, der bei den vier Shows gestern und heute als Posaunist mitwirkt.

Auch wenn man es dem Mann mit dem Schnauzbart und dem freundlichen Gesicht nicht ansieht: Hohmann musiziert schon seit mehr als einem halben Jahrhundert. Im Jahr 1963 war er als Trommler dem damaligen Spielmannszug beigetreten und hat in der Folgezeit das 1931 gegründete Ensemble maßgeblich geprägt.

„Die Ausbildung fand beim damaligen Stabführer in der Waschküche statt“, erinnert er sich an die Anfänge. Später wechselte Hohmann zur Flöte, danach zur Posaune.

„Wir hatten 15 Märsche, die aus dem Kopf einer nach dem anderen gespielt wurden. Danach haben wir wieder von vorne angefangen“, so Hohmann. Damals war das heutige Musikcorps ein reiner Spielmannszug gewesen, instrumentiert mit Trommel, Flöten, Lyra, Becken und Pauke. Später kamen dann Fanfaren, schließlich auch andere, sogenannte Naturtoninstrumente mit begrenztem Tonspektrum dazu.

Ventilinstrumente

„Erst 1994 haben wir auf Ventilinstrumente umgestellt“, berichtet der 63-Jährige. Ein Jahr zuvor hatte Edmund Hohmann die Leitung nach 21 Jahren an seinen Bruder Gerhard übergeben. Ihm selbst war dieser Posten im Jahr 1972 „aufs Auge gedrückt“ worden, wie er es formuliert. Dabei habe er zu diesem Zeitpunkt noch gar keine Noten lesen können, erzählt der Nebenerwerbslandwirt schmunzelnd. Hohmann bildete sich selbst und später andere musikalisch fort, brachte die Jugendarbeit voran und führte die Spielleute zu Bekanntheit.

Unter Hohmanns Regie begann das Musikcorps auch mit den Formationsauftritten, die heute das Markenzeichen der Ufhäuser sind. „1978 habe ich eine Choreografie für eine 20-minütige Show zusammengestellt“, berichtet er. Dass andere Ensembles dafür extra teure Ausbilder aus Holland oder Übersee engagieren mussten, habe er erst später erfahren.

„Wenn man ins Geschirr gesteckt wird, dann zieht man. Welche Last daran hängt, habe ich manchmal erst später gemerkt“, erklärt der zum Ehrenstabführer und Ehrenvorsitzenden Ernannte, warum er schließlich auf die Leitung verzichtete. Seine Ämter hat Hohmann zwar abgegeben, nicht aber seine Begeisterung für Musik. Die teilen auch die drei mittlerweile erwachsenen Kinder, die auch im Musikcorps aktiv sind. Ohne die Unterstützung der Familie seien Beruf und ein solch zeitaufwändiges Hobby aber ohnehin nicht unter einen Hut zu bringen, betont der Posaunist.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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