Die deutsch-amerikanische Familie Dixon aus Hauneck drückt beim Fußballgucken heute beiden die Daumen

Am liebsten ein Unentschieden

Hauneck. Geht es um Fußball, sind die Präferenzen von Matthias Dixon und seinem Bruder Daniel klar verteilt. Selbst auf dem Platz auflaufen? Natürlich bei der SG Rotensee/Wippershain/Schenklengsfeld. Daumen drücken an den Bundesliga-Wochenenden? Nur für den BVB. Auch der deutschen Nationalelf ist die Unterstützung der beiden Haunecker eigentlich sicher – eigentlich, doch es gibt da diesen Sonderfall.

Genau der trifft am heutigen Abend ein. Denn wenn Deutschland bei der Fußball-Weltmeisterschaft gegen die Vereinigten Staaten spielt, macht sich bei Dixons eine gewisse Zurückhaltung breit. Papa Michael stammt aus den USA, Mama Christiane ist in Deutschland geboren. Deshalb, klärt Matthias auf, sei die Familie bei Aufeinandertreffen beider Nationen in der Regel recht unparteiisch.

Doppelausstattung

Einen Familienabend, für den sich das Spiel sicher bestens eignen würde, gibt es heute allerdings nicht. Denn auch wenn dank Doppelausstattung mit Flaggen und Trikots beider Länder kein Zweifel besteht, dass zumindest die Brüder große Fußball-Fans sind, fällt das gemeinsame Gucken heute aus. Während Daniel das Spiel mit Freunden in der Bad Hersfelder Summer Cohibar verfolgt, befindet sich Matthias nämlich siebeneinhalbtausend Kilometer weit entfernt.

Vor zwei Tagen ist er nach Florida geflogen, um Schwester Johanna und ihre Familie zu besuchen. Bis zum Turnierende werde er die Spiele daher nun von dort aus verfolgen – an die WM habe er bei der Planung schlicht nicht gedacht.

Ein wirklich unpassender Zufall ist diese Terminüberschneidung wie es scheint aber nicht. Zwar sei der Stellenwert des Fußballs in den USA nicht so hoch, sodass an Public Viewing und Co nicht zu denken ist, familienintern würden sie das Spiel jedoch ganz sicher gucken. „Wir werden zu Hause ein Barbecue machen“, erzählt Matthias Dixon voller Vorfreude. „Wahrscheinlich sind da dann auch die Nachbarn dabei.“

Dass er bei dieser Gelegenheit den Adler auf der Brust tragen wird, ist wahrscheinlich – und vielleicht wird er nicht einmal der einzige sein. Auch für seinen Schwager habe er ein Deutschland-Trikot im Gepäck, der nämlich sei ein noch größerer „Multi-Kulti-Fan“: für Australien wegen seiner Wurzeln, für Deutschland, sein Geburtsland und für die USA, wo er seit Jahren lebt.

„Auswärts“ herrscht bei Familie Dixon also doch eine gewisse Parteilichkeit. Und auch weil die deutsche Elf im weiteren Turnierverlauf wohl die besseren Chancen hat als die USA, sei er der Meinung, dass sie weiterkommen sollte, sagt Matthias Dixon.

Ähnlich fällt die Meinung von Bruder Daniel in Hauneck aus. Da er hier geboren und aufgewachsenen ist, würde er normalerweise schon ein wenig mehr zu Deutschland halten. Heute hält er sich allerdings zurück: „Mein Wunsch war von Anfang an, dass Deutschland als Gruppenerster und die USA als Zweiter weiterkommen“, sagt er. „Demnach würde ich heute am liebsten ein Unentschieden sehen.“

Von Kristina Marth

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