Privat oder öffentlich? Unterlagen unauffindbar

Zufahrt zum Roten Schloss in Wehrda: Kleiner Weg, großer Ärger

Pivat oder öffentlich? Dieser Weg an der Straße „Im Alten Turm“ in Wehrda hat sich zum Zankapfel entwickelt. Im Hintergrund ist das Rote Schloss zu sehen, eines von drei Schlössern in dem Haunetaler Ortsteil. Um die Benutzung des Weges geht es in einem privaten Rechtsstreit. Manch einer fürchtet, dass auch Gästen der Blick auf das Schloss verwehrt wird. Foto: Maaz

Wehrda. Er ist gerade mal etwa 50 Meter lang, dennoch erhitzt der Weg zum Roten Schloss in Wehrda schon seit einigen Monaten die Gemüter. Im Mittelpunkt steht ein privater Rechtsstreit. Es geht aber auch um mögliche Folgen für Feriengäste und sonstige Spaziergänger, die Gemeinde sowie alte, nicht mehr auffindbare Unterlagen, die eigentlich im Archiv vorhanden sein sollten.

Öffentlich zum Thema gemacht hatte den Konflikt im Dezember 2014 Gerhard Diehl in der Gemeindevertretung, der als Mitglied der CDU-Fraktion eine entsprechende Anfrage formulierte. Diehl sah das Rote Schloss als Sehenswürdigkeit für Gäste und Touristen in Gefahr, wenn der Weg dorthin nicht mehr von der Öffentlichkeit genutzt werden dürfe. Das Rote Schloss, in dem die Erste Beigeordnete der Gemeinde lebt, ist neben dem benachbarten Gelben Schloss und dem Schloss Hohenwehrda eines von immerhin drei Schlössern in Wehrda. Auch im Ortsbeirat ist der Zwist inzwischen Thema gewesen. Im Rechtsstreit um die Benutzung des Weges befinden sich dessen Besitzer als Kläger und der Vorsitzende der Haunetaler Gemeindevertretung, Dr. Axel Schreiber (CDU), der dort einen Saatguthandel betreibt und besagten Weg vor allem im Sommer für die Getreideannahme nutzt.

Weil die leeren Lkw die enge Kurve nur über diesen Weg nehmen könnten, sei der für seinen Betrieb wichtig. Bisher sei das auch kein Problem gewesen. Die Getreideannahme umzubauen sei nicht ohne weiteres möglich und mit hohen Kosten verbunden. Das Betriebsgelände und die Gebäude hat Schreiber von der Hessischen Landgesellschaft gepachtet.

Auch von der Post oder der Müllabfuhr werde der Weg genutzt, sagt Schreiber, der den Weg weiterhin als öffentlich betrachtet. Das nicht zu übersehende Schild mit der Aufschrift „Pivatweg“ prange seit vergangenem Herbst dort.

Der Besitzer des Weges und Kläger möchte seinen Namen nicht in der Zeitung lesen und sich auch in keiner Weise öffentlich zu der Sache äußern, wie er auf Anfrage mitteilte.

Baustelle als Auslöser?

Als Auslöser für den Zwist vermuten Schreiber und seine Frau, dass beim Neubau ihrer Scheune im vergangenen Jahr ab und zu auch Baufahrzeuge den Weg benutzt hätten, obwohl diese angehalten gewesen seien, andersherum zu fahren.

Ihm gehe es aber nicht nur um sein privates Interesse, betont Schreiber. Er sieht auch auf die Gemeinde Probleme zukommen. „Eigentlich ist das Ganze unnötig und traurig“, meint er.

Ein Knackpunkt könnten alte handschriftliche Verträge sein, die offenbar 1928 nach der Auflösung der Gutsbezirke formuliert wurden. „Tenor war, dass die Wege im Gutsbezirk öffentlich werden, der Grund und Boden aber bei den Besitzern bleibt“, sagt Reinhard Görner, der von 1964 bis 1972 Bürgermeister in Wehrda war. Nach der Gebietsreform ‘72 habe er auch diese Unterlagen der Großgemeinde übergeben. „Ich weiß noch, wie die Mappe aussah“, berichtet er. Bislang hätten diese Wegerechte auch nie zu Diskussionen oder Problemen geführt.

Was der Bürgermeister zu den fehlenden Unterlagen sagt und warum der Wege-Streit jetzt auch das Bad Hersfelder Amtsgericht beschäftigt, lesen Sie am Donnerstag in der gedruckten Hersfelder Zeitung und im E-Paper.

Von Nadine Maaz

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