Holk Freytags Inszenierung von Schillers Maria Stuart begeistert mit straffer Regie und großen Emotionen

Klassiker wird spannender Krimi

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Bereit für die Hinrichtung: Nach ihrer Beichte und einem letzten Abendmahl erhält Maria Stuart (Marie Therese Futterknecht) den Segen von ihrem früheren Haushofmeister Melvil (Jörg Reimers), der sich eigens für diese Aufgabe zum Priester weihen lassen hat. Fotos: Thomas Landsiedel

Bad Hersfeld. Ganz allein steht Königin Elisabeth am Schluss in der blutrot beleuchteten Apsis der Stiftsruine, festlich gewandet in königlichem Rot. Ihre Widersacherin Maria Stuart ist tot. Doch so recht will die Erleichterung, die Hoffnung, nun in Frieden weiterleben zu können, nicht greifen. Ihren Berater Baron von Burleigh hat Elisabeth davongejagt und Staatssekretär Wilhem Davison in den Kerker werfen lassen, weil sie ihnen die Schuld an der nicht gerechtfertigten Hinrichtung Marias in die Schuhe schiebt. Der aufrechte Graf von Shrewsbury erklärt seinen Abschied und der Geliebte der Königin, Graf von Leicester, ist mit dem Schiff auf der Flucht nach Frankreich.

Eindrucksvolles Bild

Mit diesem eindrucksvollen Bild endet ein Stück, das eher ein Krimi ist als ein trockener Klassiker. Regisseur Holk Freytag ist es mit seiner Inszenierung gelungen, Schillers Drama kompakt zu kürzen und dabei die wesentlichen Handlungsstränge, die großen Gefühle, Machtgier und politisches Kalkül, Eifersucht, Verrat und Betrug klar herauszuarbeiten. Dazu präsentiert er immer wieder wunderbare Bilder in der fast leeren, geschickt ausgeleuchteten (Licht: Ted Meier) Ruine. Der Kampf der beiden Königinnen um Macht und Einfluss, Freiheit und die Liebe eines Mannes fesselt das Publikum.

Wesentlichen Anteil daran hat das hervorragende Ensemble, das Holk Freytag um sich geschart hat, allen voran Marie Therese Futterknecht als leidenschaftlich die Freiheit herbeisehnende, von den Umständen ihrer Gefangenschaft zutiefst gekränkte schottische Königin Maria Stuart und Gerit Kling als äußerlich majestätisch-kühle, innerlich jedoch brodelnde Elisabeth. Die Begegnung der beiden Königinnen im dritten Akt gehört sicher zu den Höhepunkten der Inszenierung, der es gelingt, beide Frauen in ihrer Vielschichtigkeit zu zeigen. Schiller lenkt die Sympathien ganz klar auf seine Titelheldin, doch Gerit Klings Darstellung der Elisabeth als einerseits machtbewusste, andererseits unentschlossene Herrscherin, die bedenkenlos ihre Getreuen opfert, aber zugleich als Frau geliebt und bewundert werden möchte, bringt auch ihr die Zuneigung des Publikums.

Gefasst zur Hinrichtung

Marie Therese Futterknecht dagegen beeindruckt mit einer hochemotionalen Maria, die schließlich ruhig und gefasst, mit sich und Gott im Reinen, zur Hinrichtung geht – umgeben von ihrem getreuen Gefolge. Neben den starken Frauen, zu denen auch Maddalena Noemi Hirschal als kämpferische Hanna Kennedy zählt, hinterlassen Stephan Ullrich als intriganter, aber zugleich feiger Leicester, Wolfgang Jaroschka als aufrechter Shrewsbury, Markus Gertken als machtbewusster, rücksichtsloser Burleigh, Nikolaus Kinsky als pflichtbewusster Wilhelm Davison, Manfred Stella als strenger, aber überaus korrekter Amias Paulet, Fabian Baumgarten als von Leidenschaft und kühnen Träumen getriebener Mortimer und Jörg Reimers als getreuer Melvil nachhaltigen Eindruck.

Michaela Barths Kostüme sind schlicht und zeitlos, erst zum Schluss erscheinen die Königinnen in prachtvollen Gewändern. Stimmungsvolle Akzente setzen Wolfgang Schmidtke mit seiner Musik und Marias Dienerinnen (Susanne Bettenhausen, Pamela Jacob, Ulla Morgner, Sina Schmidt, Friedericke Stang, Brigitte Sura und Friedamarie Trümner) mit fast schon überirdisch schönem Gesang.

Herzlicher, lang anhaltender Beifall, Bravorufe, anerkennende Pfiffe und Getrampel belohnten das Ensemble für eine tolle Leistung.

Von Christine Zacharias

Videotrailer Maria Stuart

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