Eiterfelder Frauen stricken Babysachen für die Neugeborenen-Stationen der Region

Klappern im Turbotakt

Stricken im Turbotakt: Seit drei Monaten treffen sich die Strickerinnen regelmäßig im Café Canapé. Auf die Nadel gekommen sind sie schon im vergangenen Jahrhundert. Foto: Desoi

Eiterfeld. Stricken ist offenbar wieder in: Unter dem Stichwort „Knit the City“ ist in letzter Zeit häufig über sogenannte Guerilla-Stricker berichtet worden, die etwa in England Telefonzellen, Brückengeländer oder Kirchtürme mit Maschen verpacken. Auch in Rotenburg wurden so schon Straßenlaternen verschönert.

In Eiterfeld trifft sich jeden Mittwoch von 15 bis 17 Uhr eine Gruppe von Strickerinnen im Café Canapé. Im Maschentreff Café Canapé geht es zwar etwas weniger spektakulär zu, es macht den Beteiligten aber mindestens genau so viel Spaß.

Für Körper und Geist

Die Eiterfelder Gruppe erinnert mehr an die historischen Spinnstuben. Schon damals wurden während der Handarbeit Neuigkeiten ausgetauscht oder es gab Tipps gegen Krankheiten. Auch Familienprobleme wurden während des Strickens angesprochen. Daneben geht es aktuell ganz praktisch zu. Strickmuster und Blaupausen werden ausgetauscht. Was unsere Ur-Großmütter noch nicht wussten, aber inzwischen wissenschaftlich belegt ist: Stricken ist wohltuend für Körper und Geist. Dr. Herbert Benson aus den USA meint „die Arbeit mit Wolle beseitigt Stress“.

Von 38 bis 86 Jahren

Angefangen hat der Eiterfelder Stricktreff bei Evi Bein im Wohnzimmer – und das schon im vergangenen Jahrtausend. Inzwischen treffen sich regelmäßig etwa zehn Frauen: Evi Bein, Brigitte Wolter, Barbara Beck, Gerda Grundmann, Petra Hohmann, Natalia Ljdovskoj, Christine Hohmann, Helga Hodes, Zita Abel und Rosa Bein. Die Jüngste ist 38 Jahre alt, die Älteste 86 Jahre.

Wenn man sieht, wie viel die Frauen produzieren, ist klar: Sie müssen ihr Hobby sehr lieben. Außenstehende mögen sich fragen, was denn an dieser Tätigkeit dran ist. Und schon gibt es weitere wissenschaftliche Theorien zur Beschäftigung. Stricken sei nicht nur Balsam für die Seele, es sei auch Training für das Gehirn. Neben Koordinationsfähigkeit ist schnelles Problemlösen gefordert.

Die Eiterfelder Gruppe ist sehr kommunikativ, aber auch Sprechpausen werden durch die klappernden Nadeln nicht als störend empfunden. Anders als beim reinen Kaffeeklatsch kommt nach zwei Stunden auch noch etwas Produktives dabei heraus: Die vielen Baby-Söckchen, Jäckchen und Höschen für Babys sollen an die Neugeborenen-Stationen im Krankenhaus Bad Hersfeld und Hünfeld übergeben werden.

In der Mitte des Tisches steht bei jeder „Sitzung“ ein Sparschwein. Es wird von jeder Strickerin mit einem Euro gefüttert. Mit dem Geld ist eine Fahrt zu „Dornröschen Wolle“, einer Wollwerkstatt mit Klöntreff, oder ähnlichen Zielen geplant. Die letzte Fahrt ging nach Bad Kissingen ins Strickcafé. Neuzugänge sind bei der Eiterfelder Gruppe herzlich willkommen, wenn es dann wieder heißt: Loch an Loch – und halten tut es doch.

Von Christa Desoi

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