Helga und Dieter Kramer schließen ihre Bäckerei aus Altersgründen

Keine Sandecken mehr

65 Jahre hat die Bäckerei Kramer in Eiterfeld bestanden, Ende Mai haben Helga und Dieter Kramer ihre Arbeit niedergelegt. Ihre Sandecken (links) waren bei den Kunden besonders beliebt. Foto: Sophia Steube

Eiterfeld. Die Sandecken der Bäckerei Kramer waren wohl in ganz Eiterfeld bekannt, die Mokkatörtchen sogar darüber hinaus – bis nach Berlin. Seit 1949 hat der Familienbetrieb seinen Sitz in der Bahnhofstraße. Ende Mai haben Bäcker Dieter Kramer (68) und seine Frau Helga (65) ihre Arbeit niedergelegt. Eiterfeld hat ein Traditionsunternehmen weniger.

Viele Kunden haben in den letzten Öffnungstagen auf Vorrat gekauft. 100 Brötchen wollte ein Kunde einfrieren. Andere fragten nach Rezepten. „Wie die Sandecken gebacken werden, das habe ich auch schon verraten. Es ist ein Traditionsrezept meines Vaters. Ich kann es auswendig“, erklärt Dieter Kramer.

Seit er 14 Jahre alt ist, stand der Eiterfelder in der Backstube. Die Ausbildung begann der 68-Jährige direkt nach dem Schulabschluss. Sein Vater Oskar Kramer hatte den Laden der ehemaligen Bäckerei Bug 1949 gekauft. Seit 1978 leitet Dieter Kramer das Geschäft. Bis ins hohe Alter hat sein Vater ihn dabei unterstützt. Ehefrau Helga war für den Verkauf im Laden zuständig.

Sowohl in der Backstube als auch im Geschäft haben die Kramers regelmäßig Lehrlinge ausgebildet. Viele Jahre hatte das Familienunternehmen sieben Tage in der Woche geöffnet. Im Mai vergangenen Jahres ist das Ehepaar kürzer getreten. Lediglich donnerstags, freitags und samstags war die Bäckerei seitdem noch geöffnet. Die Stammkundschaft schien das nicht zu stören.

Wenn das Ehepaar Kramer die Zeit in der Bahnhofstraße Revue passieren lässt, kommen aber nicht nur positive Erinnerungen.

Mit Unmut denkt Helga Kramer etwa an das Ende der neunziger Jahre zurück, als vor der Bäckerei ein absolutes Halteverbot eingerichtet wurde. „Nicht einmal das Lieferfahrzeug durfte noch an der Straße halten – wir hätten bei 30 Säcken Mehl die Fahrbahn bei laufendem Verkehr 30-mal überqueren müssen“, blickt die 65-Jährige zurück. Wegen einer Ausnahmebescheinigung blieb das den Kramers allerdings erspart. Spontane Kundschaft, die vorher oft den Laden betreten habe, sei durch das Halteverbot aber ausgeblieben. Auch die Ansiedlung größerer Bäckereien und das Backwarenangebot in Lebensmittelgeschäften habe sich ausgewirkt. Doch die traditionellen Rezepte hätten sich durchgesetzt. „Zu Weihnachten haben wir teilweise zweieinhalb Zentner Plätzchen verkauft“, berichtet Helga Kramer.

Backstube wird verkauft

54 Jahre lang ist Dieter Kramer nachts um 2 Uhr aufgestanden. Dass damit jetzt Schluss ist, bedauert Dieter Kramer nicht allzu sehr. „Ich konnte mich lange genug an den Gedanken gewöhnen“, sagt er. Die drei Söhne des Ehepaares haben sich beruflich für eine andere Richtung entschieden – dass das Geschäft in Familienhand bleibt, war also keine Option. Ihr Haus samt Ladenfläche und Backstube wollen die Kramers deshalb verkaufen.

Von Sophia Steube

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