Haunetals Bürgermeister Stefan Euler spricht über Altlasten, Bürgerbeteiligung und politischen Gegenwind

„Kein Platz für politische Spielchen“

Haunetals Bürgermeister Stefan Euler. Foto: Archiv/HZ

Haunetal. Die Gemeinde-Kasse ist klamm, die Verwaltung hat mehr als genug zu tun und in der kommunalen Politik läuft auch nicht alles rund: Stefan Euler hat nach fast anderthalb Jahren im Amt als Bürgermeister in Haunetal keinen leichten Job.

Haben Sie sich den Bürgermeister-Job so hart vorgestellt?

Stefan Euler: Da ich ja aus der Verwaltung gekommen bin und ich schon bei einer kleinen Kommunen beschäftigt war, habe ich schon gewusst, was auf mich zukommt. Aber in Haunetal kommen schon einige Altlasten zusammen, das gibt es so sicher nicht in jeder Kommune. Wir haben noch einiges aufzuarbeiten in Sachen Abwassergebühren und der kostendeckenden Gebührenkalkulation für Frischwasser. Dazu kommen der Rechtsstreit mit der IEH über die Abwasserbeiträge, die ausstehende Eröffnungsbilanz und das Mehrgenerationenhaus.

Was motiviert Sie, in solchen Zeiten Bürgermeister zu sein?

Euler: In so einer kleinen Kommune hat man einerseits noch viel mit Sachbearbeitung zu tun, andererseits kann man als Bürgermeister viele Dinge selbst gestalten und lenken. Man ist mit dabei und kann sich einbringen. Das macht den Reiz aus.

Haben Sie die Entscheidung, Bürgermeister sein zu wollen, noch nicht bereut?

Euler: Auf keinen Fall. Nein.

Bei der Infoveranstaltung zum Haushalt waren keine 20 Bürger da. Wie kann Kommunalpolitik transparent gestaltet werden und wie können die Bürger zum Mitmachen bewegt werden? Oder braucht es eher einen Entscheider, der sagt wo es langgehen soll?

Euler: Das ist ein Stück weit auch ein Prozess, der sich weiter entwickeln muss. Die 20 Leute die da waren, waren positiv überrascht und wenn sie das weitergeben, haben wir nächstes Jahr vielleicht 40 Leute dabei und irgendwann 100. Das gab es so vorher nicht, dass man offen mit den Bürgern über den Haushalt und über Einsparmöglichkeiten gesprochen hat. Ich bin zuversichtlich, dass man die Bürger zukünftig mehr beteiligen kann.

Haunetal muss sparen, dabei gibt es kaum Einsparmöglichkeiten. Wie kann der Haushalt künftig ausgeglichen werden?

Euler: Sparen ist so ein irreführender Begriff. Wir haben ja nichts, das wir zurücklegen könnten. Wir erwirtschaften aus dem laufenden Geschäft ein Defizit, es gibt keine Überschüsse, die man zurücklegen könnte. Wir werden den Haushalt nur ausgleichen können, wenn wir auf der Einnahmeseite die Schraube ein Stück drehen. Wir müssen sehen, dass unsere Gebühren beim Frisch- und Abwasser kostendeckend sind.

Gefährdet der Bruch der CDU/FWG-Fraktionsgemeinschaft den Beschluss des Haushalts 2013?

Euler: Das hoffe ich nicht. Der Bruch hat mit dem Haushalt erstmal nichts zu tun. Da geht es um fachliche Dinge und Projekte, die die Gemeindevertretung eigentlich schon beschlossen hat, wie die Dorferneuerung Rhina. Ich hoffe auf die Vernunft der Gemeindevertreter, dass der Haushalt eine breite Zustimmung findet. Durch den Bruch haben wir keine Mehrheitsfraktion mehr, sondern drei unabhängige Parteien. Da ist jeder seinem Gewissen und der Sache verpflichtet, parteipolitische Spielchen haben dann keinen Platz mehr.

Hatten Sie von der Haunetaler SPD so viel Gegenwind erwartet, in der Gemeindevertretersitzung weht ja zuweilen ein ganz schön rauer Wind?

Euler: Als Frank Neuber (der SPD-Fraktionsvorsitzende und damals Gegenkandidat für das Bürgermeister-Amt, Euler trat mit Unterstützung der CDU und FWG an, Anm. der Red.) mir nach der Wahl die Hand auf eine gute Zusammenarbeit gereicht hat, hätte ich nicht mit so viel Gegenwind gerechnet. Ich hoffe, dass auch Herr Neuber nun zu einer sachlichen Politik in Haunetal zurückkehrt. Wir haben jetzt keine Opposition mehr und jeder Mandatsträger ist in der Verantwortung.

Was ist das drängendste Problem in der Gemeinde und wo bleiben Sie gelassen?

Euler: Die kostendeckende Gebührenkalkulation im Bereich Abwasser und Frischwasser brennt uns unter den Nägeln. Da ist in den letzten sechs Jahren nichts passiert und die Gemeinde verzichtet auf sechsstellige Beträge im Jahr, das müssen wir anpacken. Das sieht auch der Landesrechnungshof so. Grundsätzlich wichtig, aber derzeit nicht so drängend ist die Abrechnung der Straßenbeiträge. So eine Sache muss dann mal warten.

Beim Karneval wurden Sie vermisst und als „Mann der Zahlen statt einer Öffentlichkeit betitelt“...

Euler: Wenn das einzige Problem ist, dass ich im Karneval vermisst wurde, und ich deshalb durch den Kakao gezogen wurde, ist das ja eigentlich positive Kritik. Denn dann kann ja nicht viel falsch gelaufen sein im letzten Jahr. Wir hatten einfach schon längerfristig Urlaub geplant. Und Mann der Zahlen heißt ja auch, dass ich als jemand wahrgenommen werde, der weiß was er tut, und der die Finanzsituation der Gemeinde verbessern will. Mann kann bei 15 Ortsteilen und zahlreichen Veranstaltungen leider auch nicht überall dabei sein.

Von Nadine Maaz

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