Kabarettist Robert Griess mit Programm „Ich glaub’ es hackt!“ auf Schloss Neuenstein

Aus dem Kabinett des Grauens

Gnadenlos und zynisch präsentierte sich Robert Griess als gewissenloser Manager. Foto:  Löwenberger

Saasen Seine Lieblingsfeinde sind die „BWL’ler“, die Bänker, die Berater und noch ein paar Berufsgruppen mehr, die Supereichen und natürlich die Politiker. Davon gibt es kaum eine oder einen, ob vergangen oder aktuell, für die oder den er „in unserem Kabinett des Schreckens und des Grauens“ nicht einen aussagekräftigen, mit reichlich Prädikaten versehenen und treffenden Alias im Sprachschatz hat. Zum Beispiel: die lebende Hüpfburg der deutschen Sozialdemokratie“ Sigmar Gabriel, oder „Andrea Nahles, die zarte Sozialistinnenseele gefangen im Körper einer russischen Kugelstoßerin“, oder „Alexander Dobrindt, den sie als Baby drei Mal in die Luft geworfen, aber nur zwei Mal wieder aufgefangen haben.“

Flüchtlinge so und anders

Das Alles aber ist nur ein klitzekleines Segment in dem funken- und feuerspeienden, zweistündigen Polit-Programm, mit dem der Kölner Kabarettist Robert Griess am Sonntagabend auf Schloss Neuenstein sein etwa 100-köpfiges Publikum unter dem Motto „Ich glaub’ es hackt!“ in Wallung brachte. Kein Auge blieb trocken, kein Lachmuskel verschont, obwohl sich hinter den scharfen und oftmals kurz gesetzten Pointen häufig mehr Wahrheit verbarg, als den Zuhörern lieb sein konnte. Etwa dann, wenn der Protagonist den Unterschied zwischen politischen Flüchtlingen auf dem Weg nach Europa und Steuerflüchtigen auf dem Weg ins (Steuer)Paradies aufzeigte.

Zur Hochform läuft Griess als Hartz IV-Empfänger „Herr Stappert“ auf. So geht die Höhe der Regelleistung darauf zurück, erfährt der geneigte Zuhörer, dass Peter Hartz beim Bezahlen seiner brasilianischen Edelhure plötzlich der Gedanke kam: „Das ist ja so teuer, da könnte eine normale Familie einen ganzen Monat von leben“.

Als Super-Manager, bewaffnet mit einem Glas Whisky und allem Selbstvertrauen der Welt, steht Griess plötzlich auf der anderen Seite der „99 Prozent angepissten Steuerzahler“, arbeitet 28 Stunden am Tage (weil er gegen die Zeit fliegt) zum Wohle der Menschheit und landet manchmal noch bevor er gestartet ist.

Kulturell anspruchsvoll

Am Ende der von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Hör-mal im Denkmal“ organisierten Kabarett-Session, die nicht ohne eine hochkarätige und lebensnahe Zulage ausklang, waren sich alle Besucher einig, einen äußerst kurzweiligen und kulturell anspruchsvollen Abend mit einem hochprofessionellen Protagonisten erlebt zu haben. Mehr Infos über den Künstler: www.robertgriess.de

Von Bernd Löwenberger

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