Wochenendporträt: Heiko Wiegand (24) aus Holzheim ist der neue Vorsitzende des Sängerkreises Hersfeld

Der Jüngste im Chor

Engagiert sich für den Gesang: Heiko Wiegand aus Holzheim wurde im März zum Vorsitzenden des Sängerkreises Hersfeld gewählt. Der 24-Jährige ist selbst im Männergesangverein Holzheim-Kruspis aktiv. Foto: Eisenberg

Holzheim. Ein Patentrezept, um jungen Leuten das Singen im Chor schmackhaft zu machen, hat auch Heiko Wiegand nicht. Dennoch: „Ich möchte nicht derjenige sein, der bei den Chören das Buch zuklappt“, betont der 24-Jährige, der im März zum Vorsitzenden des Sängerkreises Hersfeld gewählt wurde.

Wiegand tritt in große Fußstapfen. Sein Vorgänger Helmut Großenbach war überall präsent. „Ich werde nicht zu allen Veranstaltungen gehen können, schon aus beruflichen Gründen nicht“, erzählt Wiegand. Der Holzheimer arbeitet als Molkereifachmann in Hünfeld. Vor seiner Ausbildung hatte er bereits Landwirt gelernt und bewirtschaftet heute im Nebenerwerb einen Hof mit 20 Hektar Fläche. Daneben engagiert Wiegand sich ehrenamtlich: Als Tenorhornbläser musiziert er in den Posaunenchören Neukirchen und Asbach. Außerdem ist er Ortslandwirt und im Vorstand des Kreisbauernverbands und seit 2011 Ortsvorsteher von Holzheim. Aktiv ist Wiegand außerdem bei der Feuerwehr, den Kirmesburschen und beim Fasching in Neukirchen. Und natürlich als Sänger im Männergesangverein Holzheim-Kruspis.

Familientradition

„In der Grundschule haben wir mit unserem Lehrer viel gesungen, das hat mir immer Spaß gemacht“, erzählt der 24-Jährige. Im Männerchor setzt er die Familientradition seines Groß- und Urgroßvaters fort – als mit Abstand jüngstes Chormitglied. „Der nächst Ältere ist 60“, erzählt Heiko Wiegand.

Bei der Feier zum 120-jährigen Bestehen des Chors sei der Sängerkreis auf ihn aufmerksam geworden. Mehrmals habe ihn Helmut Großenbach angerufen, er habe dankend abgelehnt. Das Argument „Wenn selbst ein Papst zurücktreten kann, darf das ein Sängerkreisvorsitzender notfalls auch“, habe ihn schließlich überzeugt. In einer Art Probezeit will er in sein Amt hereinwachsen. Einen Stellvertreter gibt es derzeit nicht, sein Vorgänger unterstütze ihn jedoch bei der Einarbeitung. Wiegand vertritt mehr als 2000 Sänger zwischen Haune-, Werra-, und Aulatal; koordiniert Termine und Ehrungen. Mitunter bekomme er zu hören: „Das haben wir schon immer so gemacht“. Neuerungen will Wiegand deshalb diplomatisch angehen. „Natürlich ist ja auch vieles richtig, was die Alten gemacht haben“, betont der 24-Jährige.

Junge Leute begeistern

Dass sich Chöre aus Mitgleidermangel zusammenschließen, sei unumgänglich. „Jünger werden sie dadurch aber nicht“, gibt Wiegand zu bedenken. Die Ensembles von Ulli Meiß seinen aber ein Beispiel dafür, dass man junge Leute sehr wohl für den Chorgesang begeistern könne. Hier gelte es den Weg aus dem Schulchor in die Gesangvereine zu ebenen. Ob sich das Chöresterben wirklich aufhalten lässt, da ist auch Heiko Wiegand nicht sicher. „Vielleicht kann man es auch nur verzögern“, sagt er nachdenklich.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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