Haunecks langjähriger Verwaltungschef kandidiert am Sonntag erneut

Bürgermeister Harald Preßmann: „Ich habe noch was vor“

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Tritt am Sonntag, 8. November, erneut zur Wahl an: Haunecks amtierender Bürgermeister Harald Preßmann (parteilos).

Hauneck. Er will nochmal: Seit 1. Mai 2004 ist Harald Preßmann Bürgermeister von Hauneck. Am Sonntag tritt er – als einziger Kandidat – noch einmal zur Wahl an. Wir sprachen mit ihm über seine Beweggründe und seine die Ziele für die Zukunft.

Viele Bürgermeister klagen über die schlechte finanzielle Ausstattung der Kommunen sowie fehlende Gestaltungsmöglichkeiten. Warum wollen Sie sich das noch einmal antun?

Harald Preßmann: Den Kollegen kann ich mich nur anschließen. Die Mittel von Bund und Land für die Kommunen sind knapp bemessen. Eine zusätzliche Hürde ist die seit 2009 geltende Doppik.

Am Bürgermeister-Amt hat mich auch bei der ersten und zweiten Wahl schon die Möglichkeit gereizt, kreativ und visionär zu arbeiten. Zudem wirken in Hauneck alle Fraktionen im Gemeindevorstand und in der Gemeindevertretung sehr gut und konstruktiv zusammen. Auch die geschlossene Unterstützung aller Fraktionen für eine erneute Kandidatur hat mich natürlich dazu bewogen, noch einmal anzutreten.

Während in anderen Kommunalparlamenten mitunter heftig gestritten wird, scheint es in Hauneck kaum Unstimmigkeiten zu geben. Ist das wirklich so? 

Preßmann: Natürlich gibt es auch mal Unstimmigkeiten, die dann meist hinter verschlossener Tür interfraktionell diskutiert werden. Aber es geht immer um die Sache und in der Regel finden wir eine Lösung, sodass fast alle Entscheidungen einstimmig fallen. Hier möchte sich niemand profilieren. Alle arbeiten fair und respektvoll miteinander.

Es ist natürlich nicht ausgeschlossen, dass sich das nach Kommunalwahl im März ändert, aber ich bin zuversichtlich, dass wir unseren Stil beibehalten werden.

Was ist in den vergangenen elf Jahren gut gelaufen und was hätte besser laufen können? 

Preßmann: (überlegt) Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden und die Unterstützung der Fraktionen bestätigt das. Wir haben zum Beispiel in diesem Jahr wieder den Haushaltsausgleich erreicht, und zwar ohne größere Belastungen von den Bürgern zu fordern. Es bleibt sogar noch etwas Spielraum, um sich neben den Pflichtaufgaben noch etwas mehr leisten zu können. Es ist uns außerdem gelungen, alle größeren Investitionsprojekte dank Fördermöglichkeiten zu finanzieren. Es konnten mehrere Sportanlagen für den Vereins- und Freizeitsport errichtet sowie eine gut funktionierende Seniorenarbeit aufgebaut werden. Negativ muss erwähnt werden, dass trotz aller Bemühungen die Bürger bei verschiedenen Maßnahmen zur Beitragszahlung veranlagt werden mussten. Auch die Gebühren und Hebesätze mussten moderat angepasst werden.

Es gibt Leute, die Ihnen mangelnde Kritikfähigkeit vorwerfen … wie gehen Sie mit dieser Kritik um? 

Preßmann: (lacht) Ist das so? Ich bin sehr ehrgeizig und habe auch meinen eigenen Kopf. Vom ersten Bauchgefühl lasse ich mich nur selten abbringen. Und ich versuche stets, das Beste für Hauneck zu tun, und wenn später jemand sagt, dass das falsch war, bin ich schon enttäuscht und denke darüber nach. Niemand ist unfehlbar und man kann über alles sprechen.

Mit welchen Zielen treten Sie bei der Wahl am Sonntag an? 

Preßmann: Unter anderem ist mir an einer Bahnunterführung für Unterhaun gelegen, von der vor allem die Bürger westlich der Bahnlinie in Ober- und Unterhaun profitieren würden. Ein großes Thema ist natürlich auch die Fertigstellung der Ortsumgehung bis 2017. Wir als Gemeinde passen auf, was wo passiert und darauf, dass sich für uns keine vermeidbaren Nachteile ergeben, zum Beispiel beim Hochwasserschutz oder dem Wege- und Gewässerplan. Auch in Sachen Lärmschutz müssen wir uns bemerkbar machen. Viele von denen, die die Umgehung vor vielen Jahren wollten, sind heute nicht mehr präsent, weil sie die Trasse vor ihrer Haustür verhindert haben. Andere wachsen durch den neuen Trassenverlauf jedoch näher heran und sind nicht begeistert.

Weiterhin möchten wir die Straßenbeleuchtung energetisch auf den neuesten Stand bringen, alle Spielplätze prüfen und bei Bedarf nachrüsten lassen, die Gemeinde finanziell zukunftsfähig machen, die Gewerbetreibenden unterstützen und die Feuerwehr Hauneck auf sichere Füße stellen. Ich wünsche mir eine bessere Anbindung des Haunetal-Radwegs und für Rotensee ein Kleinsportfeld, das von Jung und Alt genutzt werden kann. Nachdem die Kindertagesstätte auf den neuesten Stand gebracht wurde, müssen die Gebäude der Verwaltung und des Bauhofs auf den Prüfstand.

Ist die erneute Kandidatur ohne einen Gegenkandidaten nicht langweilig und welche Wahlmöglichkeit haben da überhaupt die Bürger? 

Preßmann: Es ist natürlich schön zu wissen, dass kein anderer gewünscht ist. Ich habe die Bürger in allen Ortsteilen über das Geleistete der letzten elf Jahre informiert und meine Visionen und Ziele für die nächsten Jahre vorgetellt. Die Wähler können dann am Sonntag ihr Votum abgeben. Ich hoffe auf eine gute Wahlbeteiligung von über 50 Prozent der Wahlberechtigten. Das würde mich sehr freuen.

Sie wurden immer wieder auch als Landratskandidat ins Gespräch gebracht, streben Sie nach der Zeit als Bürgermeister vielleicht doch noch höhere politische Ämter an? 

Preßmann: Das ehrt mich, war für mich aber nie ein Thema. Ich weiß meine Fähigkeiten einzuschätzen. Außerdem bin ich in Hauneck sehr verwurzelt und möchte hier noch so viel wie möglich bewegen. Ich habe noch ein bisschen was vor (lacht).

Zur Person: 

Harald Preßmann (parteilos) ist 59 Jahre alt und wohnt seit 2005 mit seiner Frau und der 18 Jahre alten Tochter in Eitra. Gebürtig stammt Preßmann aus Erdmannrode. Bevor er nach Eitra zog, hatte er in Schlitz gelebt. Seit dem 1. Mai 2004 ist der Betriebswirt, der eine Ausbildung zum Bankkaufmann absolviert hat, Bürgermeister der Gemeinde Hauneck mit rund 3200 Einwohnern. Mit 63 Prozent gewann er 2004 die Stichwahl. Insgesamt gab es fünf Kandidaten. Vor sechs Jahren wurde er ebenfalls als einziger Kandidat mit einem Votum von 87,4 Prozent wiedergewählt. Vor seiner Wahl zum Bürgermeister war er Geschäftsstellenleiter in Unterhaun bei der Raiffeisenbank Haunetal. Seine Freizeit verbringt Preßmann gerne mit der Familie zu Hause, mit Spazierengehen, Radfahren und dem Besuch von Sportveranstaltungen. Das Fußballspielen musste der 59-Jährige inzwischen aufgeben. (nm)

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