Albrecht Nüchter war Schreiner und baut heute viel gefragte Instrumente

Von der Harfe fasziniert

Lieben den Harfenklang: Claudia Uecker-Tost mit einer reich beschnitzten irisch-schottischen Harfe, Albrecht Nüchter hinter zwei großen neoirischen Harfen, links eine mittelalterliche Nachbildung. Foto: Miehe

Kruspis. Als Albrecht Nüchter 1981 eine Schallplatte von einem bretonischen Harfenspieler hörte, war er davon so fasziniert, dass das Harfenspiel fortan sein Leben bestimmen sollte. Über einen Katalog bestellte er sich eine Harfe und fuhr auch eigens zum Unterricht bis nach Kassel. Aber damit nicht genug.

Schließlich wollte er sich selbst eine Harfe bauen, ein größeres Instrument als er schon besaß. Den Instrumentenbau brachte er sich selbst bei, seine Ausbildung zum Schreiner kam ihm dabei zugute. Zunächst waren die alten keltischen Harfen sein Vorbild, doch es sollte nicht bei einem Instrument bleiben. Er versuchte, gotische Harfen nachzuarbeiten, die etwas schlanker im Bau sind als die keltischen. Schnell fanden sich Interessenten, die sich von ihm auch eine Harfe bauen lassen wollten. Schließlich hatte er so viele Anfragen, dass er sein Hobby zum Beruf machen konnte.

Im Gebäude der ehemaligen Raiffeisenkasse von Haunetal-Kruspis fand er vor zehn Jahren ein geeignetes Domizil, in dem er seine Werkstatt und seine Wohnung unter einem Dach vereinen konnte.

In den vergangenen Jahren unterstützte ihn seine Lebensgefährtin Claudia Uecker-Tost bei der Arbeit. Seit 2006 hatte sie bei der Burghaunerin Silvia Schüttler Harfenunterricht genommen und wollte sich ein eigenes Instrument anschaffen. Albrecht Nüchter sollte die Harfe anfertigen. Heute übernimmt Claudia Uecker-Tost bei den von Nüchter gearbeiteten Harfen abschließende Arbeiten wie Schleifen, Wachsen, Ölen, kontrolliert die Instrumente und spielt diese ein.

Nur über Mund-zu-Mund-Propaganda und ein Internet-Portal kommen mittlerweile aus ganz Deutschland, der Schweiz und Österreich, ja sogar aus Spanien Kunden zu Albrecht Nüchter nach Kruspis. Damit sie sich für ein Instrument der einen oder anderen Art entscheiden können, hat er auch etwa 20 Harfen, die er jeweils einige Wochen zum Ausprobieren ausleiht.

Wenn er auch nach Standards arbeitet, ist jede Harfe ein Unikat, was das Holz und die Form betrifft. Auf Wunsch lässt Nüchter die Instrumente eigens von einem Holzbildhauer aus der Rhön mit Schnitzereien verzieren.

Sein Schwerpunkt liegt bei Harfen im neokeltischen Stil, große mit 36 und kleinere mit 22 Saiten, die er jeweils mit eigener Note anfertigt. Und abends oder an Wochenenden bringt er so oft, wie es die Zeit erlaubt, die Instrumente zusammen mit seiner Lebensgefährtin oder anderen Mitspielern zum Klingen, sie schwingen sich ein in die Magie der Instrumente.

Von Brunhilde Miehe

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