Isabelle Scheich lebte ein Jahr als „Missionarin auf Zeit“ in Paraguay

Glaube motiviert zur Reise

Gegenseitige Zuneigung: Isabelle Scheich mit der kleinen Lulita in Paraguay. Foto: privat

Leimbach. Isabelle Scheich (21) aus Leimbach lebte ein Jahr als „Missionarin auf Zeit“ in Pirapó in Paraguay. Zurück in der Heimat hat sie nun im Dorfgemeinschaftshaus von der spannenden Zeit berichtet.

Der Saal ist regelrecht überfüllt, als die junge Leimbacherin ihre Präsentation startet. Etwa 120 Leute sind gekommen. Auch ihre Familie ist anwesend: Ihre beiden Schwestern, Mama, Oma und auch ihr Vater, Bürgermeister Hermann-Josef Scheich, drücken der 21-Jährigen die Daumen für ihren Vortrag über die prägenden zwölf Monate, die sie von Juli 2010 bis Juli 2011 in Südamerika verbracht hat.

Die Präsentation liegt Isabelle sehr am Herzen, sie freut sich darauf, den Zuhörern ihre Eindrücke von Paraguay näherzubringen. Behilflich dabei sind ihr landestypische Dinge, die sie durch die Reihen gehen lässt: ein paar Scheine der Währung Guarani, ein Schälchen mit der Erde, die auf dem dortigen Land alles gut gedeihen lässt und einen kleinen Becher mit dem Nationalgetränk Mate.

So viele Leute, so wenig Platz

Pirapó ist circa 860 Quadratkilometer groß und hat 6500 Einwohner. Zum Vergleich: Eiterfeld hat eine Fläche von 90 Quadratkilometern und dort wohnen 7500 Menschen. „Die Einheimischen haben mich gefragt, wie wir das machen, mit so vielen Leuten bei so wenig Platz“, sagt die Leimbacherin schmunzelnd. Trotz der weiten Flächen sei der Platz in den kleinen, selbstgebauten Hütten oft begrenzt. „Man schläft auch mal mit mehreren Familienmitgliedern in einem Bett, besonders, wenn Besuch da ist.“

Dass die Hühner durch die Küche huschen, das Duschen unter freiem Himmel stattfindet oder es Plumpsklos gibt, sei nicht ungewöhnlich. Auch daran, dass Geschirr und Wäsche im selben Becken gewaschen werden, in dem auch das Hühnchen gerupft wird, musste sich Isabelle erst gewöhnen.“

Schlechte Straßen

Die Straßen dort sind auch nicht mit unseren hier zu vergleichen. Da muss man schonmal mehr Zeit einplanen“, erklärt die 21-Jährige und zeigt das Bild einer Straße, die in Deutschland wohl lediglich als Feldweg dienen würde. „Hier war ich mit einer anderen Missionarin und dem Pfarrer unterwegs zu einer Hochzeit. Wir sind nach dem Regen im Schlamm stecken geblieben und mussten das Auto anschieben“, erzählt sie weiter und blendet ein weiteres Bild ein, das für Gelächter sorgt. So schmutzig hätte sich in Leimbach wohl niemand mehr auf eine Hochzeit getraut. Im Herzen Südamerikas sieht man das gelassener.“

40 Prozent der Menschen auf dem Land leben unter der Armutsgrenze. Teilweise haben die Familien nur zwei Euro am Tag zur Verfügung, das ist selbst für paraguayische Verhältnisse sehr wenig“, gibt Isabelle zu bedenken. Die Zuschauer nicken. „Sehr mutig von ihr, dort zwölf Monate zu leben“ – diesen Satz hört man immer wieder. Alle sind beeindruckt von der Begeisterung, mit der die Leimbacherin von ihren Erlebnissen erzählt.

Von Laura Diegelmann

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