Haunetals Bürgermeister Stefan Euler soll (vorerst) im Amt bleiben – Gut 100 Zuhörer

Elf gegen elf gleich nein

Volles Haus: Rund 100 Bürger verfolgten die öffentliche Abstimmung der Haunetaler Gemeindevertreter über den Ruhestands-Antrag von Bürgermeister Stefan Euler. Mit elf Ja-Stimmen der SPD-Fraktion (vorne links) und elf Nein-Stimmen aus den Reihen von CDU und FWG wurde dieser schließlich abgelehnt. Fotos: Maaz

Haunetal. Lassen sich die Gäste bei den Sitzungen der Haunetaler Gemeindevertreter sonst meist an einer Hand abzählen, war das Bürgerhaus in Neukirchen am Dienstagabend voll besetzt. Rund 100 Bürger der Marktgemeinde, aber auch von außerhalb, wollten die Abstimmung über den Antrag des erkrankten Bürgermeisters Stefan Euler verfolgen, der bekanntermaßen wegen fehlenden Vertrauens vorzeitig aus dem Amt ausscheiden möchte. Auch im Radio und im Fernsehen war Haunetal Nachrichten-Thema.

Das Ergebnis schließlich war wenig überraschend: Die SPD-Faktion stimmte dem Antrag wie angekündigt zu, die Vertreter von CDU und FWG hingegen wollten ihren Bürgermeister nicht so einfach gehen lassen. Mit elf Stimmen auf der einen und elf auf der anderen Seite kam die erforderliche Zweidrittelmehrheit bei 22 anwesenden Gemeindevertretern in der von der SPD beantragten namentlichen Abstimmung nicht zusammen (HZ berichtete bereits, in den Reihen der CDU fehlte Dr. Hans-Jörg Leister).

„Egal welche Entscheidung wir fällen, die Gemeinde und die Bürger sind die Verlierer“, hatte der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank Neuber zuvor gesagt. Es gehe nur noch um Schadensbegrenzung. „Der Wahlsieg war für Herrn Euler wie ein Sechser im Lotto“, spielte Neuber auf dessen Anspruch auf ein lebenslanges Ruhegehalt an. Einmal mehr kritisierte Neuber, der als Gegenkandidat Eulers angetreten war, in diesem Sinne die CDU und die FWG, die mit Euler einen Kandidaten ins Rennen geschickt hätten, der schon vorher „alle zwei Jahre den Job geschmissen“ hätte.

Sein Ruhestands-Antrag sei eine Frechheit, „er sollte zurücktreten“, wetterte Neuber. Weil es sich bei Eulers Antrag aber um die kostengünstigste und sinnvollste Lösung handele, stimmte die SPD geschlossen zu. Eine neuerlicher Antrag auf Ausscheiden aus dem Amt aus besonderen Gründen sei überdies erst nach einem Jahr möglich.

Klaus Billing als Fraktionsvorsitzender der FWG warf Neuber Polemik vor. Zwar müsse einem der Antrag „die Schamesröte ins Gesicht treiben“, aber dass mit dem 37-jährigen Euler ein Mann im besten Alter an den Haunetaler Verhältnissen zerbrochen sei, dafür machte er auch die kommunalpolitische Konkurrenz verantwortlich. Die FWG halte Euler nach wie vor für die beste Wahl, „wir wollen den Bürgermeister wiederhaben, ohne Wenn und Aber.“

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Andreas Kimpel verglich den Antrag Eulers mit der Vertrauensfrage. „Wir sehen aktuell keine unüberbrückbaren Konflikte, die die Arbeit des Bürgermeisters unmöglich machen“, stellte er fest, vielmehr erwarte die CDU erstmal ein Signal der Genesung oder die Feststellung der Dienstunfähigkeit. Und sollte Euler dienstfähig sein, aber trotzdem nicht ins Rathaus zurückkehren wollen, müsse er zurücktreten. Sorgen um einen unmotivierten Bürgermeister macht Kimpel sich nicht, denn: „Lewandowski zeigt beim BVB auch eine gute Leistung, obwohl der demnächst zum FC Bayern geht.“

Die aktuelle Krankmeldung des Bürgermeisters reicht bis zum 14. März. Der Gemeindevorstand hat inzwischen eine amtsärztliche Untersuchung angestrengt, über einen Termin müsse nun entschieden werden. „Wir wollten zunächst die heutige Entscheidung abwarten“, berichtete die Erste Beigeordnete Almuth von Campenhausen nach der Sitzung. Kommentar, Hintergrund

Von Nadine Maaz

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