Maßschneiderin Franziska Bein aus Eiterfeld liebt Dirndl und kräftige Farben

Geduld und Liebe zu Details

Farbenprächtig und elegant: Maßschneiderin Franziska Bein aus Eiterfeld mit ihren genähten Werken. Foto: Christiane Hartung

Eiterfeld. Klamotten von der Stange kommen bei Franziska Bein (26) nicht in den Schrank. Die gelernte Maßschneiderin aus Eiterfeld hat die Liebe zum Nähen zu ihrem Beruf gemacht. Handgefertigte Kleider, Röcke, Blusen, Schals und vieles mehr entstehen unter ihren fachkundigen Händen.

Nähkurs mit der Mutter

„Den ersten Nähkurs habe ich während der Realschulzeit zusammen mit meiner Mutter gemacht. Damals musste sie mich regelrecht mitschleifen“, erinnert sie sich schmunzelnd. Die Anfänge waren schwierig: Das Einfädeln des Nähfadens, abgebrochene Nadeln und wenn die Maschine nicht so wollte, wie der Mensch, der sie bediente. Die junge Frau musste viele Hürden nehmen und lernte geduldig zu werden. Geholfen habe ihr dabei der Tipp, wenn es stressig wird, eine Runde zu laufen.

Mittlerweile säumt sie mit Engelsgeduld Röcke mit zartem Stich oder befestigt das Futter einer Jacke, bringt Borten und Applikationen an, verziert ihre Arbeiten mit kleinen raffinierten Details und stickt liebevoll Perlen auf. Aus simplen Stoffen werden richtige Kunstwerke.

Während ihrer dreijährigen Ausbildung bei Siggi Spiegelburg in Münster hat sie zahlreiche Schmucktechniken kennengelernt. Danach hat sie noch ein Jahr als Gesellin dort gearbeitet, bevor sie 2011 nach Eiterfeld zurückkehrte. In verschiedenen Kursen in Fulda und Dortmund hat sie im März ihren Meister gemacht. Ihr Meisterstück, ein kunstvolles Dirndl, hängt heute in ihrem Atelier.

„Ich liebe Trachten, bestickte Seide und knallige, intensive Farben“, erklärt sie. „Mit meinen Kleidungsstücken falle ich gern auf.“ Wenn ihr irgendwas gefalle, probiere sie es einfach aus, und meist kämen ihr beim Nähen die besten Ideen. Schon manches Mal habe ihr Freund bei der kreativen Entwicklung geholfen.

In ein Dirndl ohne Bluse investiert sie schon mal knapp 30 und für Borten auch mal acht Stunden. Bei kreativen Schüben ist es für sie nicht ungewöhnlich, bis Mitternacht oder ein Uhr Morgens an der Nähmaschine zu sitzen. Abwechslung bringen die regelmäßigen Spaziergänge mit ihrem Hund.

Vier Schwestern hat Franziska Bein. Eine ist Apothekerin, die andere Raumausstatterin und Architektin, die dritte Logopädin, und ihre jüngste Schwester geht noch zur Schule. Obwohl das Handwerkliche ihr anscheinend im Blut liegt - ihre Mutter hat eine Strickgruppe ins Leben gerufen und ihre Tanten nähen sehr viel – ist sie die Einzige, die das kreative Handwerk beruflich auslebt. Zuvor spielte sie noch mit dem Gedanken Fotografin oder Bühnenbildnerin zu werden. Doch nach einem dreimonatigen Praktikum bei Siggi Spiegelburg fiel ihr die Entscheidung leicht. „Mir war sofort klar, genau das ist es: Ich werde Schneiderin“, erinnert sie sich.

Seit Juni selbständig

Seit Juni ist die junge Frau als Maßschneiderin selbständig – einen eigenen Laden eröffnet sie bald in Eiterfeld, in der Siedlungsstraße 6. Drei kleine Strasssteine sind ihr Markenzeichen. „Bei mir gibt es nur Unikate“, erklärt die Eiterfelderin. Vom Schnitt bis zum fertigen Teil macht sie alles selbst.

„Es gibt mindestens zwei Anproben“, berichtet Franziska Bein. „Manche erschrecken bei der ersten Anprobe, weil alles noch so weit ist. Es wird aber ganz genau angepasst“, erklärt sie. „Mir ist es wichtig, die Kunden auf dem Weg zum maßgeschneiderten Kleidungsstück zu begleiten“, erklärt sie.

Von Christiane Hartung

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