250 Dinge, die wir in der Region mögen (208): Die „Heldenallee“ in Wehrda

Gedächtnis und Mahnung

Die Kriegergedenkstätte von Wehrda, die den Gefallenen und Vermissten des Ersten und Zweiten Weltkrieges gewidmet ist. Foto: Miehe

Wehrda. Fast in allen Dörfern, zumindest den größeren, wurde nach dem Ersten Weltkrieg ein Kriegerdenkmal errichtet, mit dem vor Ort der Gefallenen und Vermissten des Krieges gedacht wurde. Diesen Kriegerdenkmälern wird gegenwärtig meist nur noch wenig Beachtung geschenkt. Nur wenige Menschen verbinden oder verbindet noch etwas damit. Dennoch bleiben die steinernen Mahnmale bedeutende Kulturdenkmale. Die Denkmäler führen auf ihre Weise Geschichte vor Augen, sind deren jeweilige versteinerte Manifestation.

Eine besonders eindrucksvolle Gedenkstätte wurde 1925 in Wehrda errichtet. Zwischen Dorfrand und Friedhof hat der örtliche Kriegerverein mit 44 Linden eine so genannte „Heldenallee“ angelegt – noch im Geiste des Kaiserreichs wurden die Gefallenen als „Helden“ gesehen. Die Lindenallee mündet in ein Rondell, in dessen Mitte eine obeliskartige Säule steht, deren Spitze durch das eiserne Kreuz bekrönt wird und in deren Sockel die Namen der 26 Gefallenen sowie folgende Inschrift eingemeißelt sind: „Den Helden 1914-18“.

War doch nach dem siegreichen Frankreichfeldzug von 1870/71 in Deutschland in patriotischer Hochstimmung der Militarismus und einhergehend auch der Heldenkult für die Krieger aufgeblüht. In dessen Tradition legte man trotz der katastrophalen Niederlage im Ersten Weltkrieg seitens des Kriegervereins das Denkmal an.

Im Dritten Reich entsprach das soldatische Heldentum im Übrigen wieder voll der proklamierten Ideologie. In Gemeinden, in denen noch keine Kriegerdenkmäler errichtet worden waren, legte man dann in den Dreißigerjahren im alten Geiste meist noch welche an.

Nach dem erschütternden Ausgang des Zweiten Weltkriegs und der Scham über das Nazi-Regime wurde die Wehrdaer Gedenkstätte 1952 dann im neuen Zeitgeist wie folgt erweitert: Am Rande des Rondells brachte man noch zwei große Gedenksteine für die 23 Vermissten und 31 Gefallenen des Zweiten Weltkrieges an. Der Stein für die Vermissten trägt die Inschrift: „Unseren Vermissten – Gott kennt Euer Schicksal¸ der Stein für die Gefallenen „Unseren Gefallenen - sie ruhen in Gottes Hand“.

Für die Menschen, die durch den Tod eines geliebten Angehörigen schweres Leid zu tragen hatten, mag die Errichtung einer Gedenkstätte auch ein Solidaritätszeichen seitens der Mitbürger gewesen sein; nicht zuletzt auch, weil die Denkmäler im Allgemeinen von Spendengeldern errichtet wurden.

Im Laufe der Jahrzehnte wurde die ehemalige Wehrdaer „Heldenallee“ umgangssprachlich zunehmend als „Friedhofsallee“ bezeichnet. Mit deren ursprünglichen Anlage verbinden nur noch einige ältere Mitbürger etwas, die jüngeren erfreuen sich meist nur an der schönen Allee, die dazu beiträgt, dass nicht nur die Kriegergedenkstätte, sondern auch der anschließende Gemeindefriedhof zu den eindrucksvollsten Anlagen dieser Art in der Region zählen.

Von Brunhilde Miehe

Kommentare