Wanderausstellung zum Thema „Pfarrerinnen“ macht Station in der Wehrdaer Kirche

Frauen auf der Kanzel

Das Foto zeigt von links die Prälatin im Ruhestand Roswitha Alterhoff und die Pfarrerin des Kirchenspiels Wehrda-Rhina Merle Blum. Foto: Jeuthner

Wehrda. „Auf meine Kanzel kommt keine Frau.“ Mit solchen und ähnlichen Ansichten männlicher Kollegen hatten Frauen auch noch vor 60 Jahren zu kämpfen, wenn sie Pfarrerin werden wollten. Zwar wurden sie seit 1908 zum Theologie-Studium zugelassen, das bedeutete aber noch lange nicht, dass sie auch ordiniert wurden, also praktisch arbeiten durften.

In der Wanderausstellung „50 Jahre evangelische Pfarrerinnen“, zeigt die Evangelische Kirche Kurhessen-Waldeck nun den steinigen Weg auf, den die Frauen gehen mussten. Also Frauen die sich der Theologie verschrieben hatten und als Pfarrerin arbeiten wollten.

Hohe Kirchenämter

Pfarrerin Merle Blum hatte zur Eröffnung Roswitha Alterhoff eingeladen, die jeweils erste Frau, die als Dekanin, Pröpstin und Prälatin hohe Kirchenämter bekleidete, und die sich sehr über die Einladung gefreut hatte und gern gekommen war. Befragt nach dem Grund, warum sie Theologie hatte studieren wollen, erklärte sie, dass es sie einfach interessiert habe. Sie habe einen sehr guten Religionsunterricht gehabt, und dann habe es sie gepackt. Das Studium habe ihr so sehr gefallen und sie sei traurig gewesen, als es vorbei war. Eigentlich habe sie auch gar nicht in ein Pfarramt gewollt, aber nach einigen Zwischenstationen sei sie 1972 ordiniert worden und habe sich für die Gemeinde Solz entschieden. Sie habe sich gewundert, mit welchem Selbstverständnis die Menschen dort eine Pfarrerin aufgenommen haben.

„50 Jahre Pfarrerin ist nicht gleich Ordination“, erklärte die Prälatin im Ruhestand. Die erste Ordination einer Frau habe zwar bereits 1952 – also vor 60 Jahren – stattgefunden, allerdings sei die Grundlage dafür nicht ein gültiges Gesetz gewesen. Die Verantwortung lag bei den einzelnen Pröpsten, Dekanen oder Landespfarrern, die ordiniert haben. Ausgebildete Pfarrerinnen durften bis dahin bestenfalls „Hilfsdienste“ als Pfarrhelferinnen zur Unterstützung des Pfarramts ausüben. Erst das Gesetz vom Januar 1962 stellte klar, dass Frauen, die die Voraussetzungen erfüllen, ordiniert werden.

Heiratsverbot bis 1980

Aber auch dann blieben Pfarrerinnen immer noch so etwas wie Geistliche zweiter Klasse mit weniger Rechten und weniger Geld. So galt zum Beispiel das Heiratsverbot noch bis 1980. Bereits 1925 sei ein Verband evangelischer Theologinnen gegründet worden, der aber erst in den 50er Jahren wieder aktiv zu wirken begann und für die rechtliche Gleichstellung der Frauen im Hinblick auf den Pfarrberuf eintrat. Dabei erinnerte Roswitha Alterhoff an Pfarrerin Sigrid Glockzin-Bever, die viel für die Frauen in diesem Beruf getan habe.

Von Elfriede Jeuthner

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