Firmenneubau von IBR: Ilse Trott und Joachim Reiniger fühlen sich getäuscht

Weiter Ärger um Neubau in Rhina

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Haben Ordner voller Unterlagen gesammelt: Ilse Trott und Joachim Reiniger wittern Betrug beim Bebauungsplan für den IBR-Neubau in Rhina.

RHINA. Der Neubau der IBR Messtechnik GmbH & Co. KG in Rhina ist fast bezugsfertig, doch der Ärger reißt nicht ab. Einige Anwohner fühlen sich weiterhin getäuscht, ihrer Meinung nach liegt dem Bau-Projekt ein gefälschter Plan zugrunde. Ein Knackpunkt ist dabei der sogenannte Bebauungsfaktor, der festlegt, wie viel Fläche bebaut werden darf.

Von der Haunetaler Gemeindevertretung beschlossen wurde der Bebauungsplan im August 2010 mit dem Faktor 0,35. Und so wurde er im selben Jahr auch im Gemeindeblättchen veröffentlicht. Es existiert aber offenbar auch ein Plan, in dem der Faktor 0,4 angegeben ist. Ilse Trott sowie Anita und Joachim Reiniger aus Rhina wittern deshalb Betrug.

Sie wohnen gegenüber des Neubaus an der Ringstraße 5 und hatten von Anfang an ein Problem mit dem Bau. Unter anderem befürchteten sie zu Beginn der Arbeiten Schäden durch rutschende Erdmassen. Sie monierten zudem fehlende Absperrungen und Beschilderungen.

Ein Eilantrag auf Bauaussetzung beim Verwaltungsgericht Kassel wurde damals allerdings abgelehnt, ebenso wie die darauf folgende Beschwerde beim Hessischen Verwaltungsgerichtshof (wir berichteten). Im Zuge dessen wurden die Beschwerdeführer auch auf den Plan mit dem Faktor 0,4 aufmerksam. „Offenbar gibt es zwei Pläne“, sagen Trott und Reiniger. Jedoch sei der „0,4er“ nie veröffentlicht worden.

Die Frage, wie und wo es zu dieser Änderung gekommen ist, ohne dass zum Beispiel die Gemeindevertreter oder Mitglieder des Gemeindevorstands davon wissen, ist bislang unbeantwortet geblieben. Auf ein Schreiben der empörten Anlieger an die Fraktionsvorsitzenden mit der Bitte, das Thema erneut zu behandeln, gibt es noch keine Reaktion.

Repräsentatives Firmengebäude: Der Neubau von IBR Messtechnik in Rhina. Das kleine Nebengebäude soll als Garage genutzt werden. In den nächsten Wochen wird noch eine Hecke gepflanzt.

Gegen Haunetals Ex- Bürgermeister Hein-Peter Möller erstatteten Trott und Reinigers Anzeige wegen Urkundenfälschung (wir berichteten ebenfalls). Zudem erheben sie Vorwürfe gegen Mitarbeiter des Haunetaler Bauamts, des Kreisbauamts und des Regierungspräsidiums. Nachdem die Staatsanwaltschaft Fulda im Sommer das Verfahren mangels Tatverdacht eingestellt hat, haben die Anwohner Widerspruch eingelegt. „Wir geben nicht auf“, sagt Ilse Trott, wenngleich ihnen anwaltlicher Beistand inzwischen zu teuer ist.

Hein-Peter Möller möchte sich wegen des laufenden Verfahrens eigentlich nicht äußern. Er gibt aber zu verstehen, dass er die Vorwürfe für absurd hält. Davon abgesehen sei er nach wie vor froh und stolz, den Betrieb in Haunetal gehalten zu haben.

Von der Gemeinde nicht ausreichend informiert fühlt sich mittlerweile aber auch IBR-Geschäftsführer Robert Rohrbach. Davon abgesehen werde der Faktor 0,35 aber ohnehin nicht überschritten. Das bestätigt Haunetals aktueller Bauamtsleiter Frank Schott. Laut Schott liegt der Faktor bei 0,32. Wie es zu den unterschiedlichen Angaben gekommen ist, sei auch ihm schleierhaft. "Das war vor meiner Zeit", so Schott. Es sei aber richtig, dass der 0,4er-Plan von Möller und vom Regierungspräsidium unterschrieben und rechtskräftig sei, und so auch dem Kreisbauamt vorliege. Die Grundmaße des Neubaus betrügen rund 60 mal 23 Meter, an der höchsten Stelle messe der Bau knapp elf Meter.

Das sagt IBR:  „An Aufklärung interessiert“ 

Ob und wenn ja, warum, bei dem Bebauungsplan für den Neubau etwas „gemauschelt“ worden sein könne, kann sich der IBR-Geschäftsführer Robert Rohrbach auch nicht erklären. Er selbst habe damit definitiv nichts zu tun. Zumal der strittige Faktor 0,35 mit dem Bau gar nicht erreicht werde. Er und seine Söhne glauben, dass es einen Fehler bei der Veröffentlichung im Gemeindeblatt gegeben habe. „Wir haben das größte Interesse an der Aufklärung“, betont Rohrbach. „Das bringt die Firma in Verruf und wir können uns kaum wehren.“ Mittlerweile fühle auch er sich von der Gemeinde im Stich gelassen und nicht ausreichend informiert. Ein Brief an den Bürgermeister mit der Bitte um Klarstellung und Information sei bislang unbeantwortet geblieben. Die Firma IBR Messtechnik wurde vor über 30 Jahren in Rhina gegründet. Die internationalen Kunden kommen etwa aus der Automobil- und Flugzeugindustrie. In dem zweigeschossigen Neubau mit 1300 Quadratmetern Nutzfläche werde derzeit noch an der Inneneinrichtung im maschinellen Bereich gearbeitet. Robert Rohrbach hofft aber, den Neubau in den nächsten zwei bis drei Monaten komplett beziehen zu können. Derzeit hat IBR rund 25 Mitarbeiter. (nm)

Von Nadine Maaz

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