Das Rote Schloss in Wehrda diente schon als Lazarett und Flüchtlingslager

Familiensitz mit Historie

Innenansichten: Die Räume im Roten Schloss (Bilder oben). Das untere Bild zeigt Johannes und Almuth von Campenhausen auf der Treppe, die zum weitläufigen Park und Garten führt.

Wehrda. Die Frage nach den Anfängen führt beim Roten Schloss in Wehrda lediglich zu Vermutungen. Die historischen Quellen liefern nicht wirklich belastbares Material. So bleibt zunächst der Augenschein, und dem präsentiert sich ein Gebäude, dessen Entstehung man erst einmal auf die Barockzeit datiert.

Das stimmt wohl – mehr oder weniger. Denn die Anfänge des stattlichen Baus, der, ein wenig zurückgezogen, im Ortskern von Wehrda steht, reichen weit in frühere Zeiten zurück. Zwar zeigt ein geschnitzter Balken die Jahreszahl 1668, in einem Fenstersturz haben Steinmetze die Zahl 1757 hinterlassen. Doch begonnen hat all das aller Wahrscheinlichkeit nach im hohen Mittelalter. Davon sind auch die heutigen Bewohner des Roten Schlosses, Johannes und Almuth von Campenhausen, überzeugt. Ein Archäologe habe dies bei einer Untersuchung des Mauerwerks festgestellt.

Eng verbunden ist die Geschichte des Gebäudes jedenfalls mit der Adelsfamilie von Trümbach: Die erste Urkunde, in der Wehrda genannt wird, stammt aus dem Jahr 1308, als das Kloster Fulda den Ort an die Trümbachs verpfändet. Vor dem heutigen Schloss dürfte es als Teil einer Verteidigungsanlage in der feuchten Talaue – noch heute gibt es gleich hinter dem Schlossgrundstück die „Moorstraße“ – entstanden sein.

In Anbetracht der Lage an der Grenze zwischen den Abteien Hersfeld und Fulda ist es kein Wunder, dass Wehrda und auch die Besitzungen der Trümbachs immer wieder Streitpunkte der regionalen Politik waren. Auch ein Verpfänden, mal an diese, mal an jene Adelssippe, kam immer wieder mal vor.

Wie fast überall in Deutschland brachten die Jahre des 30-jährigen Kriegs Not und Verwüstung vermutlich auch für die Befestigungsanlage an der Haune. Der Wiederaufbau markiert den Anfang des „Roten Schlosses“. Heute könnte es, schaut man auf die Fassade mit dem Fachwerk-Obergeschoss, eigentlich das schwarz-weiß-rote Schloss heißen. Über Jahrhunderte bleibt es Trümbachscher Besitz. 1870, in schon fast modernen Zeiten, muss die Familie es, um ihre Schulden begleichen zu können, verkaufen.

Jahrzehnte des Wechsels folgten. Weil die Familie von Trümbach 1905 keine männlichen Nachkommen mehr hatte, fiel der Besitz an die Familie der Freiherrn von Stein zu Nord- und Ostheim. Gudrun Freiin von Stein zu Nord- und Ostheim, die Mutter des heutigen Schlossherrn, heiratete den baltischen Adligen Oskar von Campenhausen. „Ich bin der erste in Wehrda geborene von Campenhausen“, sagt der Schlossherr heute nicht ohne Stolz.

Allerdings kam er 1935 im benachbarten Gelben Schloss zur Welt. Damals nutzten die braunen Machthaber das Rote Schloss. Das Gebäude diente als „Landjahr-Lager“: Dort wurden Mädchen aus städtischen Regionen einquartiert, die nach der Volksschulzeit ein Dreivierteljahr auf dem Land verbringen und dort arbeiten mussten. „Es gibt noch Bilder, an denen am Roten Schloss die Hakenkreuz-Fahnen wehen“, berichtet Johannes von Campenhausen. Zum Kriegsende quartierte sich ein Lazarett im Roten Schloss ein.

Von Hartmut Zimmermann

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