Joshua Steinberg berichtet von seiner ersten Etappe durch den Norden Afrikas

Auf Eselspfaden durchs Gebirge

Tipps für die Berge: Auf seinem Weg über das Atlasgebirge trifft Joshua Steinberg den Touristenführer Salim, der ihm eine interessante Offroad-Route empfiehlt. Foto: Steinberg

Die Überfahrt von Tarifa nach Tanger ist bei rauer See kurz aber heftig. Gegen 21 Uhr durchlaufe ich die Grenzkontrolle im Hafen Tangers und da es nichts zu beanstanden gibt, bin ich fünf Minuten später auf der Autobahn Richtung Rabat unterwegs.

Ich fahre durch die nächste Stadt, Asilah und spreche auf der Straße einen jungen Marokkaner an: „Camping? Tente?“ Als er merkt, dass mein Französisch etwas eingerostet ist, springt er auf die Gepäckrolle und navigiert mich zum nächsten Campingplatz.

Tags darauf fahre ich auf einer gut ausgebauten Autobahn bis Marrakesch und lasse mich zwölf Kilometer vorm Zentrum auf einem Campingplatz für Dauercamper nieder.

Der Besitzer der nahegelegenen Kneipe, Habib, lädt mich zum Tee ein. Ich bekomme einen ersten Einblick in die Gepflogenheiten des marokkanischen Alltags, als ich zum Essen mit der Familie bleiben darf. Eine Schüssel mit Rind und Gemüse wird aufgetischt und dazu bekommt jeder Fladenbrot auf einem flachen Teller. Kein Besteck, keine Servietten. Das Brot wird in kleine Stückchen gerissen und dient dazu sich beim Greifen nach dem sehr schmackhaften Fleisch nicht die Finger zu verbrennen.

In Unterhose in Marrakesch

Am nächsten Tag suche ich einen Schneider. Die Motorradhose ist an der Tasche gerissen. Ich frage den nächsten älteren Herrn nach einem Schneider. An einem Parkplatz spricht mein selbsternannter Touristenführer zwei der Parkplatzwächter an und schon zückt einer Nadel und Faden. Da sitze ich nun in Unterhose mitten im Zentrum von Marrakesch und reiße mit den Wächtern Witze über die vorbeischlendernden Touristen.

Dann geht es in die Berge. Der Atlas wartet. Die Straßen werden in diesem ursprünglichen Gebirge langsam gröber und schlängeln sich, immer schmaler werdend, die Bergflanken hoch. Morgens bekomme ich Besuch von einem interessierten Hirten und, wie sich beim weiteren Gespräch herausstellt, Bergführer. Bei einer Tasse Tee beschreibt er mir eine gute Offroad-Route zu meinem nächsten Zwischenziel Asni. Die Route besteht zum großen Teil aus Eselspfaden und kleineren Versorgungswegen für die entlegenen Bergdörfer..

Auf dem Weg nach Süden wird die Landschaft langsam flacher und die Straße gerader. In der Nähe des kleinen Wüstenstädtchens Guelmim finde ich auf Nachfrage beim freundlichen Polizeiposten eine Campingoase. Als ich im Eingangspavillon zwei Fahrräder in miserablem Zustand stehen sehe, biete ich spontan meine Dienste als Hobbymechaniker an. Durch mein üppiges Bordwerkzeug ist die Reparatur einfacher als mit den zwei Zangen und dem Hammer, die der Familie bisher dienten und so sind die Bikes nach kurzer Zeit wieder fit.

Am nächsten Morgen bekomme ich im Austausch für meine Hilfe einen ausführlichen Bericht zu den verschiedenen Routen von Guelmim aus durch die Sahara und in das Grenzgebiet Mauretaniens. Ich entscheide mich für den relativ sicheren Weg über die N1 Richtung Laayounde mit Abstecher Richtung Osten nach Semara.

Pickup überschlägt sich

Plötzlich ein Schreck: Ein mir entgegenkommender Pickup überschlägt sich. Bis ich angehalten habe steht der geschockte Fahrer schon vor mir. Offensichtlich hat der lässig aus dem Fenster hängende Arm als Polster zwischen Pickup und Asphalt gedient. Während ich nach weiteren Verletzungen suche, sind, wie ich später erfahre, nicht etwa die Rettungskräfte, sondern die Freunde des Verletzten alarmiert worden, um den illegal auf dem Pickup transportierten Treibstoff zu sichern. Erst nach etwa einer Stunde wird der Rettungswagen, sowie die damit einhergehende Polizei alarmiert. Nach etwa zwei Stunden trifft die Ambulanz ein und nimmt Khaian mit ins nächste Provinzkrankenhaus. Seinen Arm wird er wohl verlieren, seinen Job und somit seine Existenz hat er wohl durch sein „besonnenes“ Handeln gerettet.

Die nächsten Tage lasse ich ruhig angehen. Genieße die Weite der Sahara. Man steht mit der Sonne zur linken auf, fährt bis sie zur rechten in den Atlantik fällt und doch hat sich nichts geändert, außer der Füllstand des Benzintanks.

Die Strände entlang der Atlantikküste sind absolut zu empfehlen und sehr sauber. Mittlerweile bin ich in Dakhla, kurz vor der mauretanischen Grenze, angekommen und nehme mal wieder ein paar Wartungsarbeiten vor. Dann dann geht es weiter ins nächste Land der Tour. Das Visum gibt es an der Grenze. Es wird den Erzählungen nach tropisch heiß und etwas schwierig mit Benzin und Internet...

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